SKYLOTEC High Protection. Best Performance.
Red Chili climbing gear
Red Chili climbing gear
klettern
Die Spezialisten
fürs Bouldern
Der Red Chili Cup
logo palatinum

Für euch ausgechecked...

gechalkte Hände am Fels
Foto: Alex WennerBild vergrößern
Text AlexW, Fotos: Skylotec, palatinum.info

Chalken oder nicht Chalken – Ist hier nicht die Frage!

    Chalk, genau genommen Magnesiumcarbonat, hilft uns Climbern den Fingerschweiss hygroskopisch aufzusaugen um damit den Grip an kleinsten Furzgriffchen und abschüssigsten Slopern zu verbessern. Kein Salz und Kletterutensil wurde unter dem Kletterervolk kontroverser und oft auch mit der für die Befürworter völlig übertriebenen Unterstellung, Chalk könnte dem kulturellen Gemeingut, der Flora und Fauna schaden, diskutiert, aber dazu später. 
    John Gill, eine Bouldergottheit aus USA (wer hats erfunden?), hat nachweislich das Chalk beim Klettern und Bouldern schon in den 1950igern Jahren eingeführt. Heute kauft man es in Blockform, gebrochen in Tüten, fein pulverisiert (davon würde ich abraten) oder auch in Form von Liquid Chalk. Im Gegensatz zu dem, das Turner beim Geräteturnen verwenden, enthält das Kletterchalk kein Talkum, das die Gleitfähigkeit trotz Trockeneffekt an den Ringen oder am Reck verbessert. Beim Klettern ist dieser Effekt komplett unerwünscht.  Der Griff in die Tüte (aka chalkbag) hat sich sozusagen als Normalität (pro und contra) bei der Masse etabliert, sei es um die Finger zu trocknen, um den Adrenalinschweiss zu absorbieren oder à la Tim Tula (US) – weils einfach cool ausschaut. Andere, ethisch und kletterpolitisch anders denkende, Kletterer nutzen Chalk aus Prinzip nicht.

    Dass das Thema Chalk problembehaftet ist war abzusehen, darüber zu schreiben, wirkt fast polarisierend in einer Welt, die noch problembehafteter ist, abseits der Chalk-Problematik. Es gab wegen Chalk, bedingt durch optische Beeinträchtigungen und andere Sauereien, in diversen Klettergebieten mitunter extreme Streitereien und es trug auch (dazu komme ich gleich) während des Hakenstreits (Pfalz, Ende der 1970iger, da waren auch Altöl und abgesägte Ringe mit im Spiel) zu Chalk-Totalverboten bei (heute aktuell z.B. Haardt, Bouldergebiet Bad Dürkheim). Neben Chalk-Regeln (gilt für das komplette Gebiet Pfalz im Allgemeinen), ab welchem Grad man es toleriert (Pfalz: ab UIAA 7+) gibt es einzelne Empfehlungen.

    Eine der kuriosesten Geschichten, die es um das Chalken gibt, trug sich nach demPfälzer Hakenstreit zu. Ein Kletterer der Outsider (vgl. Gruppe um Güllich/Nöltner/Kubin et.al – 1978/79) wurde bei Nutzung in der Pfalz angezeigt. Dieser wiederum, selbst Chemiker, beauftrage 1986 die Universität Heidelberg mit einer Studie (wohl initiiert durch den DAV), wie stark genau das Chalken den Pfälzer Sandstein und die umliegende Flora schädigt.
    Kurzergebniss: Es gab, juristisch betrachtet, einen Fehler in der Anzeigeschrift, die da lautete: „...Magnesiumoxid anstatt -carbonat“ ,wobei der Begriffsfehler nur durch Erzählungen hier wiedergegeben werden. Die Anzeige wurde folgerichtig eingestellt und durch das Gericht in Pirmasens abgelehnt. Die Studie an sich brachte, auch durch Infotransfer, zutage, dass dieses Magnesia aber auch positiv betrachtet sauren Regen neutralisieren kann und Flechten durch die leichte Base keinen Schaden nehmen. Zudem werden heute mit Tonnen von ähnlichem Material Wälder/Felder per Hubi bestreut, um Waldsterben und die sauren Böden zu minimieren (neutralisieren).

    Zurück blieb nur ein fader Geschmack – (für die, die es mit dem Löffel essen: macht Durchfall) also konzentrierte man sich auf die optischen Beeinträchtigungen, oder auf schmierige zugechalkte Griffe, die bedingt durch Luftffeuchtigkeit noch schmieriger werden, die Poren sozusagen im Sandstein verschließt, laut Kritik von Chalk-Gegnern. Als nützlich erweist sich, auch im eigenen Interesse, Touren, die trockene Finger erfordern, mit einer Zahnbürste, die an der Tüte hängt, zu putzen. Bis heute gibt es keine mir bekannte Studie über die Schädigung von Sandstein oder Kalk durch Fingerschweiss (also ungechalkt), aber optische und spürbare Beweisse dafür, sei es in berühmten Kalkgebieten wie Arco, Frankenjura oder auch im Pfälzer Sandstein (z.B. Herbstroute Backelstein Dir Ausstieg, Lutzverschneidung, Nonnenfels, Magnetfinger Burghalde) gibt es viele.

    Puristen beklagen: Chalk ist ein künstliches Hilfsmittel, die Touren werden leichter, aber auch nur ein weiteres, ähnlich der Klettersohle heute im Vergleich zu Profilsohlen in den 1970igern. Zurecht kontern die Chalk-Freunde: dann müsst ihr auch ohne Seil, Gurt und Schuhe barfuß klettern. Das Problem mit den Tickmarks: Griffe werden mit Chalklinien verlängert – on sight Aspiranten beschweren sich, dass ein stilreines on sight dadurch nicht mehr möglich ist, Kritiker beschweren sich, dass lange Striche am Fels einfach wieder scheisse aussehen, in etwa so wie ein anderer die Falkenscheisse, die Bundesstrasse, im speziellen die Tunnelsysteme durch ein Naturschutzgebiet, oder den Abfall von Natur-De-Sensibilisierten Menschen als Optikkatastrophe sieht.

    Ja, oder nein zu Chalk – das muss jeder für sich selbst entscheiden, jedenfalls gilt es ausnahmslos für alle, die für jedes Klettergebiet geltenden Chalk-Regeln, Tolerierung, aber auch Verbote zu akzeptieren und zu respektieren, ohne Wenn und Aber, um diese Klettergebiete auch zukünftig ohne Beeinträchtigungen genießen zu können.

Der gesundheitliche Aspekt der Feinstaubbelastung

    Zu Spitzenzeiten an einem arschkalten Winterabend ist die Feinstaubbelastung in einer Kletterhalle extrem hoch. Die TU Darmstadt untersuchte 2008 diese für Kletterer neuen Belastungen und fanden heraus, dass die Konzentration „im Bereich industrieller Arbeitsplätze in staubbelasteten Bereichen“ lag. Grenzwerte wurden allerdings nicht überschritten, sehr wohl aber ein Bedarf zur Reduzierung der Staubkonzentrationen erkannt. Ebenfalls wurde empfohlen, Säuglinge nicht mit in die Kletterhalle zu nehmen. Ansonsten, auch wenn es so aussieht als könnte man es essen oder schniefen (um die Nasenschleimhäute zu trocknen, bei Schnupfen z. B.), lasst es, ist wohl in hoher Dosis tendenziell eher ungesund und macht wie gesagt Durchfall.

Die Formen

Tüte mit gebrochenem Chalk

Der Würfel oder das gebrochene Chalk in der Tüte dürfte der Klassiker sein. Der Würfel kommt dann im Bag zerbröselt auf die Finger. Für alle, die statt zu bröseln lieber Magnesia elegant in einer Plastikbox/Flasche mit großer Öffnung im Rucksack mitschleppen wollen, gibt es gebrochenes Magnesia in der Papiertasche oder im Plastikbeutel. Ich empfehle die Plastikflasche zum Transport, da das Chalk hygroskopisch ist und Luftfeuchtugkeit absorbiert, wenn man es offen transportiert.
Bei beiden Formen jedenfalls gilt: Es gibt von Hersteller zu Hersteller erhebliche Unterschiede, was Qualität speziell bei der Trockung der Hände betrifft. Die einen trocknen die Finger, andere schmieren wie´d Sau, weil die Körnung oder Beimischung einfach nicht stimmt – also kontraproduktiv fürs Klettern. Feinpulverig geht gar nicht. Skylotec brachte kürzlich alle heute bekannten Formen auf den Markt (Würfel, Gebrochen, Chalk-Ball, Liquid Chalk) und sie können alle uneingeschränkt empfohlen werden. Die Konsitenz und Körnung  des festen Chalks von Skylotec sind perfekt und man spürt förmlich den genialen Grip, den das Material auf die Finger bringt.

Indoor-Lösung: Einweg-Ball respektive „Chalk Ball“

Skylotec Chalk Ball

Die sogenannten Chalk Balls sollen helfen, die Staubbelastung in Hallen zu reduzieren, aber auch im allgemeinen den Chalkverbrauch zu reduzieren, da dass Chalk durch eine Art Stoffbeutel dosiert auf die Finger kommt. Gewöhnungsbedürftig ist der Chalk Ball allemal beim Nachchalken, man tut aber seiner Umwelt und seinen Mitstreitern einen Gefallen. Zudem werden die Kosten für einen Kletterer pro Klettersession natürlich durch den deutlich niedrigeren Verbrauch reduziert.

Liquid Chalk – Grip aus der Flasche

Liquid Chalk Flasche

Von vielen Herstellern wird das Flüssig-Chalk heutzutage angeboten, wobei flüssig einen Aggregatzustand beschreibt, den das Flüssig-Chalk in der Realität definitv nicht erreicht, denn es müsste eher von einem „Emulsions-Chalk“ gesprochen werden. Das Chalk liegt nicht gelöst, sondern emulgiert vor. Fein, aber in einem Lösungsmittel, in den meisten Fällen Isopropanol.
Isoprop entzieht der Haut zudem das Fett und trocknet zusätzlich. Es gibt Hersteller, die mischen dem Chalk-Alk-Gemisch noch zusätzlich Kolophonium bei, ein Naturtharz, das in Bouldergebieten wie Bleau als Pof Anwendung findet bei. Pof klebt, Isoprop und fein verteiltes Chalk trocknen, aber das ganze hinterlässt im Vergleich zu festem, gebrochenem Chalk keine Rückstände am Fels. Liquid-gechalkte Finger hinterlassen keine Spuren (obwohl mikroskopisch sicher noch nachweisbar), also ganz nach dem Geschmack der Puristen und Kritiker.
Die Frage, die sich stellt: hält die Trocknung bei 18-25°C auf eine Routenlänge von 25 m, bei der ein Kiesel in 24,5 m im Grad 11- durchgezogen werden will?
Eher nicht, ist auch nicht die Zielgruppe. Zielgruppe für das Liquid Chalk sind die Kollegen, die Touren klettern, bei denen man auf den ersten 5 Metern übelst kratzen muss, wo kein einziger Zug ein Nachchalken erlaubt, die hart Bouldern gehen oder Klimmzugbrett/Stange zum Training in der Wohnung installiert haben und zumindest die Feinstaubbelastung zuhause gering halten wollen. Auch hier beim Liquid Chalk gibt es gewaltige Unterschiede in der Qualität.
Eine sehr gute Durchmischung, optisch in der Form einer Lotion (und nicht einer Chalk-Pof Pampe), kommt aus dem Hause Skylotec. Das Liquid erreicht aussergewöhnlich guten Grip wenn es nach dem Auftragen auf die Finger abgeblasen wird. Es läßt sich durch die kleine Flaschgenöffnung perfekt und fein dosieren.
Das einzige was bei Liquid Chalk zu beachten ist: Die Finger trocknen auch wegen dem Fettentzug stark aus und der Flüssigkeitshaushalt der Hände sollte nach dem Training mit einer Handcreme wieder hergestellt werden.

Fazit:

    Dieser literaische Ausflug zum Kletterutensil Chalk sollte keinesfalls den Unerfahrenen dazu verleiten, Chalk ohne Hirn, Verstand und ohne alle erdenklichen Naturschutzproblematiken zu überdenken, einzusetzen beim Klettern oder Bouldern. Bei all den tollen und weniger tollen Produkteigenschaften von Chalk gilt eins vorweg als extrem wichtig zu beachten:
    Chalk ist in einigen Gebieten (z.B. Bouldergebiet Haardt/Bad Dürkheim) nicht erlaubt und an das Verbot muss sich jeder strikt halten um das Gebiet auch für weitere Kletterer-Generationen zu erhalten.
    Im speziellen gilt in der Pfalz: erst ab UIAA 7+ wird es geduldet, und auch daran muss sich jeder Kletterer/Boulderer halten. In jedem anderen Gebiet, in dem Chalken erlaubt ist, versprechen jedenfalls die neuen Produkte von Skylotec perfekte Trocknung der Finger und trotz Marktneuheit steht dieses neue Chalk den über die Jahre bekannten Topmarken in nichts nach.
    Tipp: Probiert's aus!

Tipps zur Anwendung:

Weithalsflasche
  • Kauft euch eine Flasche mit großer Weithals-Öffnung für den Transport von Chalk im Rucksack. Schützt vor der Abosrption von Luftfeuchtigkeit und der Rucksack bleibt feinstaubfrei.
  • Weniger Chalk auf die Finger und an den Fels – eintauchen in den Beutel, abblasen von den Fingern, zupacken (auch french blow genannt – wirkt besonders cool bei einigen L)
  • Wer bei extrem schweren Touren nicht mehr in den Beutel greifen kann, da man auf Dauer von einem Griff zum nächten schnappen muss , kann sich das Chalk auch etwas dicker auf die Hose auftragen – ermöglicht blitzschnelles Nachchalken
  • Bei extrem schlonzigen Griffen hilft auch am Abend vorher eine Kur mit Wasser ohne Zusätze & Bürste – trocknen lassen (ungeeignet im Winter bei Temperaturen um die 0°C)
  • Nach einer Begehung der Tour für alle Nachfolger die Griffe mit einer Zahnbürste, Bürste mit Naturborsten in diversen Grössen (um auch z.B. große Sloper zu bürsten) wieder putzen und Tickmarks auch wieder entfernen – versteht sich von selbst
  • Bei Flugreisen das Chalk nicht im Handgepäck verstauen – könnte leicht mit einer Droge oder anderem Undefinierbarem verwechselt werden.
Weiterführende Links: