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Für euch ausgechecked...

CLICK-UP – Ein neues Sicherungsgerät von Climbing Technology
CLICK-UP Sicherungshalbautomat von Climbing Technology
von Alex WennerDer Check mit dem Click macht das Sichern noch sicherer.

Bilder: Climbing Technology

    Eine der besten Innovationen auf der Outdoor-Messe 2009 war das neue Sicherungsgerät CLICK-UP von Climbing Technology (Italien), bei dem man bei richtig eingehängtem Seil und einer kurzen Zugbewegung einen lauten Klick hört, das CLICK im CLICK-UP. Musik für die Ohren oder noch ein Halbautomat mehr in der mittlerweile recht unübersichtlichen Palette an Sicherungsgeräten und Halb-Automaten? Mit dem Klick jedenfalls wird einem auch akustisch signalisiert, dass man das Seil korrekt eingefädelt hat. Sollte man das Seil falsch herum einfädeln, sorgen zusätzliche Schlitze an der Seite dafür, dass es nicht unkontrolliert durchläuft. Beim Ablassen löst man den Mechanismus durch ein „Move up“, das UP im CLICK-UP. Na, das klingt doch schon mal verlockend, nur für welchen Zweck braucht der Kletterer von Welt so ein Teil überhaupt ?

    Jeder kennt diese endlosen Bouldersessions des Kollegen in Klettertouren, in denen er sein Leben verbringen möchte. Manche pilgern an ihre Projekte wie andere nach Mekka. Und diese Bouldersessions, bis alle Züge sitzen wie bei einem Kunsturner am Reck, dauern lange, manchmal sehr lange. Der Lohn der Zeit ist dann eine saubere Rotpunktbegehung und manchmal ein verärgerter und ausgefrorener Sicherungskollege mit Genickstarre. In der Fränkischen wurde Ende der 80iger Jahre dafür extra eine neue Zeiteinheit definiert. Jürgen Claus, der damals zu den ganz Fitten gehörte, nannte man Sepp. Ein Einfachsepp dauerte genau 45 Minuten, ein Doppelsepp 1,5 Stunden und manchmal verheizte Sepp seine Sicherungspartner bei Dreifachsepps beim Ausbouldern diverser Fingerlochprojekte. Es musste dringend eine Alternative her, sodass der Azusi am Boden (Ar... zum Sichern), mittlerweile im Halb-Delirium und mit krampfenden Fingern bei Spitzenbedingungen um die 5-10°C, dankend entlastet werden konnte. Der HMS oder der heiß geliebte Achter, der damalige König der dynamischen Sicherung, hatte ausgedient und der Halbautomat war ganz plötzlich herzlich willkommen. Petzl innovierte damals mit dem Grigri die Azusi-Welt und auch heute noch gilt er als der Veteran unter den Automaten. Alles wurde schöner, das Sichern begann Spass zu machen. Nach und nach rückten andere Firmen nach, die Teile wurden immer futuristischer im Design, erforderten teilweise allerdings ein Maschinenbaustudium, bevor man sie fachgerecht in Betrieb nehmen konnte. Falsch eingelegte Seile führen zum Kontroll- und vor allem Funktionsverlust. Die Liste an Fehlerquellen, mit denen sich ein professioneller Azusi rumschlagen muss, ist lang. Der hochgelobte Cinch als heißer Grigri Competitor funzt ohne Feder und klemmt leicht, ist also zuverlässig, zumindest solange das Seil korrekt eingelegt wurde. Das Eddy von Edelrid hat eine ähnliche Funktionsweise wie das Grigri, bietet aber laut Praxistests und Hersteller die extra Portion Sicherheit mittels Notbremse bei zu schnellem Ablassen. Das Sum kann neben dem Eddy für extrem dünne Einfachseile verwendet werden. Soweit ein paar Fakten zu alt bewährtem.

    Was macht nun der CLICK-UP anders ?
    O-Töne:
    „was is´n das ? sieht verdammt gefährlich aus“
    ,
    wobei das in der Jugendsprache soviel heisst wie „heisses Teil“.
    „Schöne Farbe!“

Seil einlegen in den CLICK-UP

    Climbing Technology produziert in Europa und nicht im Osten oder in Asia Pacific - ein Zeichen für Spitzenqualität? Die Spezifikationen des Herstellers lesen sich beeindruckend. Der CLICK-UP erreicht bzw übersteigt die Vorgaben der neuen UIAA Normen, die heute an ein modernes Sicherungssystem für das Sportklettern gestellt werden. Das Handling ist kinderleicht, Seil einlegen, Karabiner rein, zuschrauben und los gehts (Bilder 1 + 2).
    Mit dem CLICK Sicherheitssystem ist er innovativ. Das bewusst richige Einlegen des Seils sollte aber auch ohne CLICK Kontrolle bestens funktionieren, schließlich zeigt eine Illustration auf der Ober- und Unterseite des Geräts die richtige Funktion, die Führungs- und die Bremshand an. Da kann kaum was schief gehen, eine Endkontrolle sollte sowieso Standard sein, bevor der Kletternde und Sichernde loslegt. Andererseits hätte der Hersteller beide Seiten auch unterschiedlich farbig machen können, sodass z.B. orange = Kletterer und z.B. blau = Führungshand anzeigen würde, dann wär das Teil noch innovativer, was Sicherheit betrifft.

    Der CLICK-UP deckt den heute üblichen Seildurchmesserbereich vollständig ab, er kann für 9 mm Seile bis zu 10,5 mm verwendet werden, wobei ich aufgrund des gestrafften Innenlebens des CLICK-UP´s zu kleinen Innendurchmessern tendieren würde, ein 9 oder 9,5 mm Seil läuft butterweich in dem Halbautomaten, während ein aufgeschwemmtes getestetes 10mm Seil (now ~ 10.5mm) schon höhere Reibung im CLICK-UP-Körper hatte. Am ähnlichsten, wobei ein Vergleich hinkt, dürfte das SMART von Mammut (kein Halbautomat, aber vom Sicherungssystem vergleichbar) sein, daher habe ich den CLICK-UP gegen den SMART und den Grigri, den ich schon seit seiner Einführung in Gebrauch habe, gestestet. Das Seil wird in den CLICK-UP eingelegt wie bei einem Tube, leicht, so wie auch bei dem SMART oder Grigri (nicht mit Tube vergleichbar). Überragend zeigt sich der neue CLICK-UP sowohl beim Seil ausgeben, als auch beim Ablassen, das supersoft und leicht zu dosieren vonstatten geht.

CLICK-UP Sicherungshalbautomat beim Seil ausgeben und beim Blockieren

    Seil ausgeben: funktioniert sehr schnell, da der Blockiermechanismus bei schnellem rausziehen des Kabels nicht blockt, bei einem Sturz in gleicher Sekunde, blockiert das System (Bild 4). Beim SMART wird das Seil in dem Punkt bei zu schnellem Ausgeben sofort geblockt und beim Grigri muss der erfahrene Sicherungsmann den Ballen auf den Hebel drücken, damit es funktioniert, was bei unerfahrenenen Kletterern schon zu unschönen Unfällen geführt hat, da bei geringem Sturzfaktor der Ballen leicht den Bremsmechanismus überlistet hat und das Seil frei durchlief.
    Genau das passiert mit dem CLICK-UP NICHT!
    Die Bremshand muss allerdings auch beim CLICK-UP am Seil bleiben.
    Beim Ablassen, indem man soft die Kippneigung variiert oder hochzieht durch den „Move up“, hat er mir von allen Dreien am besten gefallen. Sehr elegant und wohl dosiert gehts abwärts, während das Daumen-Prinzip beim SMART da schon deutlich ruckeliger vonstatten geht und die Dosierung gewöhnungsbedürftiger ist.

    Wenn das CLICK-UP nach einem Sturz blockiert hat, was übrigens auch mit einem CLICK akkustisch wahrnehmbar ist, löst man den Mechanismus leicht, indem man den CLICK-UP mittels MOVE UP von sich wegzieht, dann lässt sich auch das Seil wieder wie gehabt leicht ausgeben. Im Toprope-Fall zieht man einfach den CLICK-UP durch MOVE UP weg und danach wie gehabt das Seil weiter ein.

Fragen, die die Kletterwelt bewegen

  • Leicht verständliche Handhabung ?
    Ohne Frage funktioniert das CLICK-UP auch ohne Maschinenbaustudium von der ersten Sekunde an, wie ein Tube, blockt aber im Ernstfall wie ein Grigri oder SMART oder wie ein anderer Halbautomat. Wer 2+2 zusammenzählen kann, sollte bei der Eingewöhnung an ein neues Sicherungssystem wie dem CLICK-UP nicht scheitern. Kinderleicht !!!
  • Gibt es einen Bremskraftverstärker wie beim ATC für eine V-förmig gezahnte Seilführung?
    Das möchte ja beim dynamischen Sichern eigentlich keiner. Wer es dennoch braucht, dem hilft die Zahnung im CLICK-UP in Kombination mit Seilen ab 10mm oder beim Ablassen von Kandidaten über 100kg mittels Kippneigung und Hochziehen des CLICK-UP´s im Karabiner.
  • Einfach- oder Doppelseil ?
    Einfachseile only. Ist für Doppelseile genau wie Grigri oder SMART nicht konzipiert. Wer das braucht, nimmt z.B. den ATC guide.
  • Durchmesser, Specs der Seile und Gewicht?
    Wie gesagt laufen Seile von 9 bis 9,5mm butterweich im System, dickere Seile wirken als Bremskraftverstärker. Ich würde dem CLICK-UP ein Seil < 10 mm gönnen, denn dann ist er im Vergleich zu seinen Konkurrenten im Handling und was derzeitige Sicherheit betrifft TOP.
  • Lässt sich Seil leicht ausgeben & einziehen?
    Klarer Testsieger bei meinem Test im Vergleich zu Grigri oder SMART bei 9 mm und 9,5 mm Seilen. Stürzt ein Kletterer im Toprope, blockt der Mechanismus mit einem CLICK, der sich wie oben beschrieben leicht lösen lässt. Einziehen und ausgeben ist in etwa vergleichbar mit einem Tube.
  • Dynamische Sicherung beim Sturz?
    Je nach Sturzfaktor hatte ich das Gefühl, dass es zu einer leichten Verzögerung im Bremsmechanismus kommt, d.h. die Sicherung dadurch für einen Halbautomaten dynamischer ausfiel, als man das von z.B.vom Grigri gewohnt ist. Daher auch ein großes Plus hier in dem Punkt.

    Hardcore Test: ACHTUNG, bitte nicht wiederholen, da ihr dazu viel Sicherungserfahrung braucht: Führungshand weg vom Seil, Toprope in 10 m Höhe (14 m gesamt, 1 Umlenkung, wenig Seilreibung) > Sturz > 4-5 m Freiflug bis der CLICK-UP von alleine zugemacht hat. Wird der Sturz härter, blockt es allerdings genauso wie ein Grigri direkt und man springt oder läuft dem Freiflieger am besten bisschen entgegen, um den Sturz weicher zu gestalten im Vorstiegsfall. D.h. der Mechanismus wird demnach schneller ausgelöst wenn, beispielsweise bei einem Topropesturz, von der Bremshandals Bremse mehr Gegenzug da ist.
  • Ablassen?
    Auch hier ungeschlagen auf Platz 1, supersoft und Ablassgeschwindigkeit variiert mit Kippneigung im Karabiner. Um das zu beschleunigen, zieht man den CLICK-UP durch MOVE UP zusätzlich nach oben, also vom Karabiner weg. Einfach mal ausprobieren.
  • Blockt wie Grigri – kann man loslassen?
    Ja man kann das Seil bei kalten Boulder-Sessions genauso loslassen, wie man das vom Grigri oder SMART kennt. Die Führungshand muss/sollte trotzdem am Kabel sein, eben genau wie beim Grigri !!!
  • Was passiert, wenn man das Seil falsch einlegt?
    „Unmöglich“, wer Zeichen deuten kann und zudem versteht, auch ohne zwei unterschiedliche Farben an Ober- und Unterseite. Wer es trotzdem falsch rum einlegt, hat ohne Blockier-Mechanismus eine Art Tube mit wenig Reibung. Daher sofort korrigieren und weiter gehts.
  • Krangeln beim Ablassen, Kante (Seilreibung und Belastung)?
    Nicht wie beim Grigri über seitliche Kante, sondern wie bei einem Tube oder SMART vorne über weiche Zahnung ablassen. Da krangelt nix und ist genauso seilschonend wie jedes andere System auch.
  • Kann man mit dem Teil abseilen?
    Der Zielkreis liegt nicht beim Abseilen sondern beim sicheren Sichern und mein Achter muss ja auch mal für irgendwas herhalten bei dem vielen Sicherungsmetall am Gurt. Zudem wird's am Doppelstrang nicht funktionieren, am Einfachstrang sicherlich, so wie mit einem Grigri z.B. für Foto-Sessions, wo man zwei freie Hände braucht.
  • Technische Daten
    Gewicht: 109 g (vgl. Grigri: 180 g)
    Seildurchmesser: 9 mm – 10,5 mm
  • Hersteller: Climbing Technoloy, Italien
  • FAZIT:
    Wer einen sicheren Halbautomaten und im unübersichtlichen Hardware-Angebot eine innovative Neuheit sucht, ist mit dem CLICK-UP sehr gut bedient. Wer nach kurzer Eingewöhnungsphase die Basics verstanden hat, dem steht zum ungetrübten Sicherungsgenuss nichts mehr im Weg. Die Bremshand muss allerdings auch beim CLICK-UP am Seil bleiben. Nur klettern müsst ihr noch selber.
    Viel Spass dabei in 2010: „..mit immer gutem Grip nicht loslassen, dann machts auch „nicht“ CLICK beim CLICK-UP.
  • Note:
    • 9/9,5 mm Seile: sehr gut
    • 10 mm and above: ausreichend bis befriedigend, da dicke Seile sehr viel Reibungswiderstand haben.
  • Preis: 43,95 Euro
  • Wo kriegt man ihn? Zu bestellen bei Bergfreunde.de