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Archiv August 2008 ...

Klosterwand - First free ascent

Klosternad
Foto: Alex WennerBild vergrößern
  • Wo soll´s denn hin gehen? Nachdem klar war, dass AlexW im Umkreis von 150 mm2 (Quadratmilimetern)über die meiste Blockierkraft verfügt und Inspiration unter der Dusche fand, sollte Bad Herrenalb das Ziel werden. Vor Jahren hat Alex ein altes Projekt called "Zölibat" geklettert, straight über die Bolts und 10- (8a) ausgespuckt.
    Schon der erste, wie auch alle anderen Wiederholer kletterten an der Crux (Weicheier) eine kurze Linksabbiegung, was Zölibat zu einem 9er oder 9+ macht. Hannes Schilling wie auch AlexW hatten da schon ein Auge auf die Tour rechts vom Zölibat, die in alter verfügbarer Schwarzwaldliteratur mit 8+ angegeben wird. Aus sicherer Quelle wurde aber bekannt, dass das noch nie einer frei geklettert hat. Wer kam da auf 8+? Der neue Wagenhals-Topo gibt die "Klosterwand" mit 8+ an, der neue Panico gibt keine Bewertung und stellt die Frage, ob das jemals rotpunkt geklettert wurde. Hannes und Alex meinten damals daher nach erstem Check-Out, dass die Klosterwand wohl noch schwieriger als das Zölibat wird, also eher 8a oder 8a+, allerdings eine so wie das Zölibat, extrem technische.
    Kurze Rede, langer Sinn. Am Freitag, den 06.08. bekam die technisch äusserst hochwertige und komplexe Klosterwand gleich zwei Rotpunktbegehungen, erst von Alei Wenner, dann von Flo Böckle. Das dürften die ersten freien Begehungen sein. Man sollte sich aber auch hier direkt an den Haken orientieren und nach der Schlüsselstelle nicht in den leichteren Ausstieg vom Zölibat wechseln, das nur auf den ersten 6m vom Stand weg schwer ist. Überraschend der Grad, den beide spuckten: Glatt 9 oder 7c, je weiter links man nach der Crux (sehr weiter Untergriffblockierzug) klettert, desto leichter wird die Tour sicherlich, denn der gerade Original-Klosterwand Ausstieg ist nochmal ziemlich kratzig knifflig.

Purpur – The BEST of Pfalz im August Sommer-Special

Klettern am Trifels
Supported by: marmot xpedition gear Red Chili

    Ende Juli 2010, Freitag abend, ich bin mal wieder deutlich zu spät um in die Pfalz zu heizen, da ich, wie immer, wegen einer Telefonkonferenz nicht pünktlich aus der Firma komme. Danke, so toll können Freitage sein. Das Ziel: Purpur am Trifels. Gerissen hab ich es Mitte Juli schon, aber heute wollen wir das Prunkstück mal fotografisch festhalten. Fahrtzeit 45 Minuten, Zustieg 15 min, Geländerseil installieren 10 min, sodass man ganz elegant von A nach B kommen kann. Kameramann installieren nochmal 15 min, zurück zum Einstieg in einer Minute. Start. Abfahrt: 17:45. Scheiße, mit dem Licht zum Knipsen wird's knapp. Die Nerven liegen blank, wie immer, aber gerade in der Ferienzeit auf der Südtangente wurde eine Baustelle vom Stadtamt vorsorglich zum Krätze kriegen gebaut und geschätzte 500 Holländer mehr als sonst sind unterwegs Richtung Campingplatz . Fünf Kilometer zähfließender Stau. Mein Hirn glüht, danach Vollgas Richtung Pfalz. Ich kotze: schon wieder Stau in Kandel, die Zeit rast. Um 19:00 erreichen wir endlich das Band am Trifels, ziemlich schattig im Purpur mittlerweile. Ich bau' den Klettersteig trotz allem Ärger zum Stand des Pfeilerwegs. Die Aussichten sind schlecht. Die Wand ist schattig, extrem schattig, das Licht wird nicht reichen für ein Foto-Shooting. Mein Gesichtsnerv zuckt schon und die rechte Hand verkrampft – Magnesium-Mangel oder einfach nur Stress – keiner weiss es. Da erinnere ich mich wieder an Hilary Cooper und ich lebe. Das Leben wird nicht daran gemessen, wieviele Atemzüge wir nehmen, sondern an den Momenten, die uns den Atem nehmen. Nach so viel geschwollener Prosa bin ich bereit für das nächste Bergabenteuer.

Am Start
    So, jetzt erstmal runterkommen und durchatmen, ich bin kurz vorm Kollaps, die Badeschlappen im Zustieg hatten heute null grip. Adrenalin, die „Nerve sin gerisse“ hat mein Italiener mal gesagt. Die Wand wird inspiziert. Das schaut schon mal gut aus.

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    Wo isser ? Wenner hat sich das Leben genommen, der Stress war zuviel, zudem ist der erste Ring so weit oben. Also sich lieber prophylaktisch schon mal umbringen, das ist immer noch besser als vorm ersten Ring zu sterben. Flo steht alleine am Stand und trauert schon ein bisschen.
    Nein, da isser wieder. Beim mentalen Sammeln hat er sich kurzfristig in Luft aufgelöst, vollkommen in sich gegangen – eins geworden mit sich und dem Ziel. Es geht los. Halt: Die Sticker fehlen noch, also noch schnell einer aufs Bein und einer auf den völlig wegen Alterschwäche degenerierten Delta geklebt. Jetzt basst's.
    Kaltstart. Purpur ist nix für Weicheier. Zum ersten Ring muss man mal den Mittelfinger kurzfristig rausnehmen aus'm Loch und zünftig ansteigen, allerdings nur im, naja dürfte irgendwas zwischen dem 3. bis oberen 8. Grad sein (wenn Abba Zappa unten 5+ ist, ist die Platte 8 ?), dafür liegt ein solider CAM 1 in Schwebesicherung in einem Lettenloch in der seichten Verschneidung 5 Meter unterm lebensrettenden ersten Ring. Gell, do gugscht... Flo zittert schon ein bisschen, ich merks am Kabel, das vibriert.
    Jetzt wird's ernster. Ok, der Griff an der überhängenden Kante, immer noch 1m unterm Ring, schaut genau hin, das is so. Aber das ist ein Schloss, Ausbrechen darf der trotzdem net. Autsch, da wird ganz schnell aus 3D-Flo ein 1D-Flo und Wenner ist schon wieder tot, wahrscheinlich.
    Ersten Ring einhängen und den kurz darüber auch noch gleich, sodass im Sturzfall mindestens einer hält, der erste Ring ist uralt vom Scharfi und Purpur daher über Jahrzehnte im Projektstatus, bis 2007 eben. Abdrängend ist's, aber dort hat's ja Sloper-Henkel, das ist unverschämt.
    Es läuft gut. Füße an die Kante, offene Tür natürlich, was sonst und durchreissen zur Leiste. Flo ist mächtig beeindruckt, ich auch und der Sticker löst sich schon ein bisschen vom Oberarm.
    Links in Foothook-Position, Leiste anpullen zur komfortablen Sloperzange an der Sloperkante. Schön, einfach schön isses hier.
    Na, was machen die Füsse...Stehen, alles Grün, weiter gehts ins steile Gemäuer wo den Alpinisten dann Züge der ganz besonderen Art erwarten.
    Blocken oder Springen, das ist hier nicht die Frage. Nein, auch wenn's so aussieht, der Wenner holt hier keinen Schwung, das geht lockerst statisch, selbst mit knapp 41. Aber man sieht, er ist schlecht gelaunt, der Sticker fliegt gleich ab. Dem Wenner stellen sich die Haare am ganzen Körper, äusserst sensibilisiert, konzentriert auf den Sticker, Muskeln nicht zu arg anspannen, denn dann wär der Sticker weg.
    Retro, er schaut schon bisschen alt aus. Die Leiste: was für eine geile Leiste. Mittlerweile ist es sicher schon 19:53 Uhr, es geht nur noch langsam voran. „Ich muss mich beeilen, dass im Quergang noch genug Licht ist“. Die Luft wird dünner und da wir ohne Sauerstoffflaschen im Alpinstil unterwegs sind, merkt man langsam die 45 consumed Zigaretten zwischen den Meetings und nach der Telefonkonferenz.
    Ist doch klar. Dort hat's einen Griff, also erst mit rechts hin, klippen, zurück zur Leiste und mit links hin. Flo checkt das net. Die Bewegungsabfolge wird für ihn als Azusi (für die Uneingeweihten: Ars.h zum Sichern) immer komplexer. Man sieht die hängenden Finger, also nix aufgestellt. Das hängt damit zusammen, dass Wenner nicht mehr aufstellen kann. Alles verkürzt nach all den Jahren, da alles mal gerissen und gesprengt wurde in früher Jugend, wie Kapsel oder Ringband.
    Klippen, klar, aber wo ist die linke Hand? Die greift für den Zuschauer unsichtbar links raus zu einer extra fürs Purpur-Posing installierten Reckstange, die Wenner genüsslich zur Zwischenrast einsetzt.
    Mittlerweile ist auch der Visagist am Start. Er kommt von oben im Dülfersitz übers steile Gemäuer abgeseilt. Im Rucksack hat er ausser einem Leberknödel für den Glanz an der Schlüsselstelle Massage-Öl vom Aldi dabei. Das Öl ist für einen Kletterer beim Posing das, was für den Schauspieler das Make up ist und für einen Pfälzer die Leberwurst.
    Jetzt heisst es mal lang machen. Der Body muss gestrafft sein, Oberkörper-Zellulitis sieht scheiße aus auf Fotos. Der Visagist pendelt im Seil, die Spraydose ist einsatzbereit, es kann losgehen.
    Die Schlüsselstelle. 20:23 Uhr. Der Rücken glänzt, exzeptionelles Styling. Alles hat super geklappt, perfektes Timing. 25 Jahre Strickleitertraining machen doch Sinn. Statisch im Anschlag gehts zur Lette. Im Basislager bei Flo schwindet ganz langsam die Sonne und die Laune. Er will ja auch mal ran an die Mauer.
    Da gibt's nix zu sagen. Das ist Athletik und Kinästhesie in einem vereint. Das mentale Training im unsichtbaren Zustand hat sich scheinbar ausgezahlt.
    Ups, da kommt ein Sloper, Pfälzer Lieblings-Delikatesse von AlexW, aber von dem will auch der nächste Haken geklippt sein. Der Visagist hat ihn mittlerweile im Vorbeischwingen wieder abgeschminkt. Das sieht einfach besser aus...männlicher halt.
    Eine kleine Dosis Amphetamin in Kombination mit Anabolika wirkt sich im richtigen Moment sehr günstig auf den Latissimus aus.
    Ein wirklich ausgeklügelter intelligenter Routenverlauf leitet nach links zu einer Stellerleiste, die man am besten aufstellt. Knapp daneben henkelt's, aber die Spannweite reicht nicht. Wenn's jetzt noch mit dem Hook klappt, den man freihängend angelt, freuen sich ausser Flo auch der immer noch pendelnde Visagist, der Personal Trainer, der Wenner den Muskelsaft verabreicht hat und der Kameramann, wenn er nicht, wie so oft, ins Leere fotografiert.
    Jetzt schön klein machen an der Kante - wegen der Angst. Da gehts aber mal richtig heftig tief runter. Aber für einen traditionsbewussten Alpinisten ist das kein Problem.
    Das Knie schön unter dem Dach verstaut, Knee-Hook nennen es die Profis und rechts so ne abschüssige Scheissleiste anblocken zur eierigen Kante. Die ist vielleicht rund, die Sau.
    Epos - ein Blick, wie von Comici, voller Stolz. Glotz net so, der rechte Haken gehört nicht zu Purpur, der ist von „Hello darkness“. Gerade geht's zum Gipfel, der Tag neigt sich dem Ende zu und es sind nur noch 15 Meter zum Top, ein gebohrter Ring sichert das Ausstiegsgelände by fair means ab...nur fliegen dürft ihr dort nicht. Dann wird aus 3D Flo wieder....ihr wisst schon.

Die Hard Facts:

Purpur 8a - Dieter Klan / Ingo Bischoff 2007
Länge:
    22 m bis zum Biwak-Band, 35 m bis zum Gipfelgeländer und der Gipfel ist das Ziel, nicht der Weg. Gesamte Wandhöhe 60m.
Abstieg:
    Abklettern zum letzten Ring, danach ablassen.
Schwierigkeit:
    8a
Absicherung:
    KEIN Plaisir - 3.5 Ringe bis zum Band, eigentlich nur 3 aber am ersten klippt man 2, plus einer nach dem Band oben
Material:
  • Petzl Hirundo giftgrün
  • 5 x Petzl Spirit Runner
  • CAM 1 vorm ersten Ring
  • Red Chili Matador und im schicken Orange der Red Chili Chalkbag mit roter Bürste von Franklin
  • Markenjeans von energy – leicht perforiert für die verbesserte Atmungsaktivität
Charakter der Tour:
    Startet in der zweiten Seillänge vom Westwand-Band weg, ziemlich genau senkrecht über dem Hexentanz. Athletische Weltklasse-Turnübung mit weiten Blockierzügen links des extrem berühmten und klassischen Pfeilerwegs (genannt „Trifels-Dach“ 9-) und links von „Hello Darkness“, dem neuen Pfeilerweg, 9-/9. Purpur dürfte unübertrieben die beste Erstbegehung in der Pfalz im letzten Jahrzehnt sein.
Kamera:
    Nikon D100 SLR, Nikon 24-85mm 2.8-4.0, Digi-Blitz
Climber:
    Alex Wenner, am Stand Flo Böckle

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