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Archiv Juni 2013...

High Jump-Contest auf der OutDoor Messe in Friedrichshafen

Vorjahressieger Peter Würth im Zielanflug
Foto: Martin Schepers
  • Atemberaubende, spannende und erfrischende Unterhaltung für Kletterer auf der OutDoor-Messe in Friedrichshafen. Auch in diesem Jahr organisiert der tmms-Verlag wieder einen spannenden Punkt des Rahmenprogramms. Bereits zum achten Mal findet am Sonntag, den 14. Juli wieder ein High Jump-Contest statt. Die Teilnahme ist kostenlos und es sind Preisgelder in Höhe von insgesamt € 1.000,- ausgesetzt.

    Weitere Infos unter www.tmms-shop.de

Gebrauchsanweisung Spanien -
Wie man in 6 Tagen konsequent keinen 8er (franz.) zwickt

    Täglich zocken irgendwo auf dieser Welt hunderte fitte Typen und Mädels 8er und sogar 9er, französisch bewertet natürlich, und dies wird dann in nanu.nu zum Besten gegeben. Selten liest man über „noch-nicht- Begehungen” von z.B. Ondra oder Sharma, nie über gar nicht begangene Begehungen. Nicht begangen oder „war-knapp-Begehung”: Mit dem Thema beschäftige ich mich im Folgenden, ein neues Terrain der klettersportlichen Berichterstattung.

    An Ostern waren wir ja in Margalef und weil's so schön war, haben wir für Pfingsten direkt nochmal eingecheckt. Nach „Absolut“ 8a+ im Labor und leider nur 5 Klettertagen im März bei unserer Premiere in dem Gebiet und dem vielen Rotwein und der täglichen Gourmet-Dreigang-Kur war an ein weiteres Projekt kaum zu denken. Zu fett, zu schwach, zu besoffen von den roten Tropfen aus Priorat, zudem hatten wir 'ne Menge andere Touren geklettert. Ich verliess Marga mit einem weinenden Auge, mit Blickrichtung „Photoshot“, der 8b 50m links von „Absolut“, da die ja mal nur geil ausschaut.

    Dieses Mal 6 Tage, 2 Ruhetage dazwischen, so sollte die Rechnung mit dem Wirt gemacht sein, soweit mein Plan. Dieses Mal hab' ich ja ausser Maria noch mein Töchterchen Larie mit im Gepäck, also müssen auch täglich erstmal ein paar Meter in nicht allzu steilem Konglomerat gezogen werden. Also motiviert wie´d Sau rein in den Flieger und ultramotiviert raus aus dem Vogel. Dann, ein böses Erwachen, die erste Enttäuschung kündigte sich depressiv an. Ich: bis dahin noch keinen Griff in der Hand gehabt. Photoshot trieft wie Hund, im April hat es zuviel geregnet, Wasser sickert durchs Dach – das ist ja genauso Scheiße wie zuhause im Heidelbeerdach dachte ich noch, das an 363 Tagen auch nur nass ist. Ich bin ausgelaugt vom vielen Arbeiten und von zu wenig Training in den letzten Wochen ein Schlapp-Sack. Die Wochen nach Ostern waren stressig, zudem sind die ersten 3 Griffe (von Griff zu Griff volle Spannweite im Dach, auch wenn's Leistenhenkel sind) komplett nass, danach alle Griffe nur seifig. Am Einstieg stinkts erbärmlich, so als hätte der free camping am Stausee keine Stelle mehr frei zum Kacken, da müssen die Typen jetzt schon unterm „Photoshot“ ausscheiden – direkt unterm cheating Steinhaufen um an den ersten Griff im Dach zu kommen - Schweine.
    Egal, einmal ausgecheckt und direkt einen Versuch gemacht. Resultat und erste Inspektion der Gräten: 2 Cuts, Resthaut in desolatem Zustand und die Power leider komplett im Eimer, nach nur 2 mal durcheiern. Damit das Routenkonto an dem Tag nicht ganz so mickrig aussieht, klettern wir noch schnell sechs/sieben Touren bis 7a, bis die Finger reissen. Interessant vor allem, dass auch die „Genusstouren“ in Margalef pumpen und vor allem an den Lochrändern scharf sind wie Rasierklingen.

    Am nächsten Tag ging's zuerst zum Balcony Erimita 3-4 Touren klettern, danach zum Finestra. „Aeroplastica“ 7c+ soll da so toll sein, Photoshot gebe ich Zeit zum Abtrocknen. Im ersten Versuch kam ich bis 3 m unter die Kette dieser überirdisch abgelutschten Ausdauer-Rennbahn, die die Locals wahrscheinlich als Auf- und Abwärmroute zum Plätten am Ende des Tages nutzen . Alles speckig, die Tritte quitschen beim Antreten. Also genauso stellt man sich die Schrotttour in einem Gebiet vor . NEIN, dafür flieg ich keine 1200 km, auf einen weiteren Versuch habe ich keine Lust mehr, lege die Tour ad acta als völlig gehypter Speckscheiß, platt bin ich trotzdem und vielleicht war es auch bisschen zu heiß an dem Tag. Als die neu war und ungespeckt, war die sicher ein Traum, die Tour ist gechipped, die Züge aber doch gut. Der Planet strahlt mittlerweile ohne Gnade, meine Füsse bekomme ich kaum noch in die Schlappen gequetscht, so dick sind die durch die Hitze.

    Um die Ecke verspricht die angeblich beste 6b+ Spaniens absoluten Genuss. „Mangrana“ heißt die glänzende Perle aus Stein. Das müssen sich vor uns vor gefühlte 10000 andere auch schon gedacht haben. Von den Strukturen durchaus eine exzeptionelle Kletterei, aber wieder eine Politur, dass ich fast kotzen muss und meine Füsse, die platzen auch gleich. 6b+ ist gewagt, eher 2 Grade schwerer geht’s 25 m etwas pumpig zum Top. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es in unmittelbarer Umgebung mehr 9a's gibt als in komplett Deutschland und Frankreich zusammen. Da ist gewöhnlich die Aufwärmtour etwas dumping-bewertet, aber mich hat's in etwa so weggepumpt, als hätte ich gerade eine 8a geklettert, durch die dicken Füße und Schmerzen in den Schuhen war „Wegstehen“ unmöglich. Die unhandlichen Zapfen und komisch eckigen Löcher hab ich kurzerhand völlig amotorisch angehangelt (in einer nicht ganz senkrechten Wand). Nicht weit weg gibt es noch eine kurze 15-20 m lange 10- von Ramon Julian, die gut ausschaut und in 8a.nu seit 2007 nur eine Begehung hat, also scheinbar eine ehrliche, anders als andere 8a/a+ in Margalef, die unglaubliche 300 Begehungen im nanu haben plus die paar tausend andere Begehungen, die im nanu unregistriert sind.
    Gechalkt war sie, wird also wohl regelmässig probiert, also ich dort nochmal rein. Einmal durchgebouldert wird mir klar, dass ich für einen Durchstieg erstmal reloaden muss, zudem sind vom apokalyptischem Aprilregen (hat unsere Pensionschefin verlauten lassen) die Griffe ab Wandmitte sehr sandig und ungeputzt, selbst das Putzen pumpt mich blöderweise völlig weg. So schön ist sie nicht, das ich für die nochmal einen zweiten Tag investieren will. Dafür klettere ich, wahrlich leidend, nur noch am langen Arm einen 9er im Gebiet – Grenze, die Dinger hängen mir bis zu den Kniekehlen. Jetzt geht gar nix mehr, dann folgt Ruhetag Nummer eins.

    Wir überlegen uns, zum Schonen der Beinmuskulatur und zum Durchbluten der Pumparme, eine ganz kurze Wanderung mit wenig Höhenmetern zum höchsten Montsant Berg rauf. Danke Maria, jetzt sind nicht nur meine Arme, sondern auch noch meine Beine völlig dick. 4 Stunden rauf und runter, meine gerissenen Kreuzbänder schreien. Da kommen nur wieder 2 Karaffen Priorat in Frage, zum Betäuben. Aber auch das ist unglaublich blöd für's Klettern – Alk pumpt dich einen Tag später noch schneller weg. Die 2 Karaffen wurden übrigens dummerweise unser täglich Brot und wohl auch ein Grund mehr, warum ich nix so richtig lässig weggebügelt habe.

    Tag 3: Nach ein paar wunderbaren unterbewerteten Genusstouren zum Auftrainieren und um die Vorspannung herzukitzeln im Sektor 8, gönne ich mir einen weiteren Versuch im Shot, immer noch angenässt und ich mittlerweile sowas von angepisst, für so einen nassen, triefenden, stinkenden Quacken so weit geflogen zu sein. Dafür reisse ich mir einen satten Fladen am Ringfinger. Die Finger sind durch die schwammigen Griffe mittlerweile etwas angeweicht, so wie nach einem Saunagang.
    Ah, da war doch noch die von 2010 von Andrad. „La Bombi“ 8b heisst das optisch nicht sonderlich eindrucksvolle Stück Konglomerat, aber schön exponiert dem Wind ausgesetzt und furztrocken (steht an der Ecke). Schon der erste Zug gibt die Richtung vor für die nächsten neun weiteren Züge, es sind nur 10 insgesamt, 10 m hoch, 5 Bolts, so in etwa wie an der Klagemauer - Deadlineähnlich denke ich noch und vor allem rauh und kaum gefingert. Also alles tapen was noch zu tapen ist. Der zweite Versuch war knapp, aber das Kellenloch über dem dritten Bolt zu krallen hätte etwas mehr Schub in den Ästen gefordert, bin von daher 2 cm drunter in völliger Bewegungsstarre abgehungert. Ich bouldere in einem dritten Versuch nochmal zum Umlenker und komme sicher wieder, die kurze Kletterei gefällt mir, trotz rotzigem lehmigen Einstieg – Mein Vorschlag hier wäre: das Band mit Spritzbeton anbetonieren, dann klebt einem auch der Rotz nicht an den Schuhen fest.

    Wie war das nochmal mit der Schmerztoleranz beim Anreißen ? Ich bewege mich um 5 Jahre gealtert zurück zum Auto, die Hände unter den Achseln zum runterregulieren der Schmerzen, die Finger sind schon wieder komplett Schrott. Den Tag danach hab ich für uns eine weitere tolle Idee, der Block überm Stausee. Nach zwei leichten Touren wollte ich die dritte einigermassen leichte, eine 7a+, noch rauf, was sich fast zum Fiasko entwickelte. Der Einstiegsboulder ist ohne Steinhaufen als Einstiegshilfe keine 7a+ aber das wusste ich ja noch nicht, die Steine liegen geometrisch ungeordnet um den Einstieg rum. Die Margalefiosis sind lustig, die bauen sich da an Touren Cheating Steintürmchen auf und je nachdem wie hoch die sind, wird eine Tour leichter, respektive schwerer halt ohne die Türme. Wenn man den Turm bis zum zweiten Bolt bauen würde, wäre man schon relativ nah beim Umlenker und hätte die Tour schnell im Sack.
    Bei dem Teil kommt man ohne Turm aber leicht an den ersten Griff, aber der Dacheinstieg ist denn schliesslich hab ich das so gelernt beim Klettern: Start am Boden und keinen selbst gebauten Aussichtsturm besteigen. Ich brauch' dann zwei Versuche um über die Einzelstelle am Einstieg zu kommen, wo man nach dem trittlosen Dach mit dem rechten Fuss neben dem rechten Ohr anstehen muss, um dann etwas ungemütlich mit voller Spannweite in ein mickriges Zweifingerabhängloch für die erste halbe Kuppe zu pressen.
    In genau dieses Pupsloch parken die Cheater direkt ihre Griffel vom Turm weg und stehen direkt in die Kelle. Also ehrlich gemacht keine 7a+, eher eine undankbare 7c-Einzelstelle und die Haut wurde dadurch auch nicht besser. Nach weiteren fünf/sechs Touren bin ich schon wieder komplett knülle und meine Finger fühlen sich an, als hätte sie jemand durch den Häcksler gedreht. Frustig, eigentlich wären jetzt mindestgens zwei Ruhetage fällig, aber wir haben ja nur noch 2 Tage.

    Siurana ist das nächste Ziel, „La cara que no Miente“ 8a+, ein Klassiker in dem Grad in Siurana, den Carles Brasco im Film Master of Stone 4 zockt, steht da auf meiner Liste. Die wollte ich schon gerne Anfang der 90er machen, aber da waren wir mit anderen Baustellen in anderen Sektoren beschäftigt. Seitdem war ich nicht mehr da. Also auf zu La Olla. Nach Aufwärmen in der netten 6c und der krätzigen, respektive oberüberhässlichen 6c+ vom Huberbua-Kollegen Alex direkt nebenan, also rein ins Projekt.
    Die Züge, supergeil, gehen noch, aber ich merke, ich bin unglaublich krass gesaugt von den Tagen zuvor, den Sinter krallen wird elend, ich starte 2 Versuche, schaff' es aber nicht mehr, das Teil komplett herzuknüppeln. Ich bin völlig durch, bin mir aber sicher, dass ich nach 2 Tagen Pause vor allem für die Haut, 2 Tage, die ich nicht habe, mit einem Lächeln an die Crux spazieren würde, der berühmte Sprung ins Loch ging platt wie ich war, statisch beim Auschecken. Jetzt hatte ich bereits einiges durchgefingert und Genusstouren gezwickt, aber noch nix wirkliches hergerissen.

    Ich sitze auf der Steinplatte im La Olla und erinnere mich an die Zeit Ende 80, Anfang 90 mit Wolfgang Widder in Buoux. Da waren wir damals sogar zwei Wochen und haben nix gepunktet bei dem Trip, aber unglaublich viele Klassiker versucht, alle a.f J und manch eine war knapp im Durchstieg. Von Reve, über Spectre, zu Rose et le Vampir, Chouca, Tabou, Le main usw, einige hätten klappen können mit der richtigen Taktik, aber wir gingen von einer zur anderen nach eis, zwei Versuchen, blieben an keiner dran, so wie jetzt in Margalef und Siurana. Für Chouca, Reve und andere kam ich später nochmal.

    Den letzten Tag klettern wir im unscheinbaren Sektor La Chumino im Finestra Tal alle 9 Touren, die allesamt lohnen. Im Führer wirkt der Steinhaufen wenig einladend, bietet aber bis 6c+ mit die besten von uns gekletterten Meter in Margalef. Am Abend versuche ich nochmal La Bombi mit Fingern, die aussehen, als hätten sie zusammen mit einem Mixer gebadet. Auch dieser Versuch scheitert, obwohl ich nochmal alles gegeben hatte, mit einer halben Rolle Tape um die Griffel gewickelt, sagen wir 1cm vor der rettenden Kelle – och wie schade, ist aber so. Bedient man sich des faden Spruchs: „Der beste Kletterer ist der, der den meisten Spass hat“, muss ich sagen: noch mehr Spass hätte ich gehabt, wenn ich wenigstens eins dieser Teile gemacht hätte. Andererseits, vor sagen wir 30 Jahren hätte ich mir in mein Tourenbuch nach diesem Trip 5 Begehungen im 8. Franz-Grad eintragen können, alle a.f (all free) gemacht. Muss es denn immer RP sein? Müde waren wir am Ende und ich freu mich bereits auf den nächsten Trip nach Spanien, dann aber mit weniger Klettertagen, also mehr Ruhetage, weniger rumfingern und dann eins nach dem andern wegballern und erst ganz am Schluss „Genussklettern“. Denn das Genussklettern ist mir in Margalef oder Siurana in Addition zu meinen „Projekten“ definitiv zu anstrengend.

Blume Wasserfall am Stausee Die Riu rauscht Erimita San Salvador Larie Fee Wenner zieht an in den Platten von Finestra Auf dem Weg zum höchsten Montsant Gipfel Major Corbatera Cornudella de Montsant Erimita Arbaca Larie Fee barfuß in einer 5+ in Margalef Maria im Sektor Can Nan in einer gefühlten 3 Siurana Sektor La Olla Stausee von Siurana Das alte Rifugio von Siurana Siurana Est und El Pati rechts davon
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Zur Margalef Bildergalerie vom Mai 2013

Text: Alex Wenner

Heli Kotter & Wolfgang Widder klettern Hubers MSL „Sansara“ 10+

  • Ein schönes Video hat Vaude da produziert. Wolfgang wohnte ja bis in die 90er in Karlsruhe und war außer am Battert vor allem in der Pfalz aktiv beim Zwicken. Fire & Ice 9+/10- und Gerüchteküche 9+ am Rödel sind seine bekanntesten und besten Pfälzer Erstbegehungen aus dieser Zeit.

Pfalz & Elsass News


  • Cyril Tran wiederholt „Pampel“ 8a am Wachtfels.
  • Christoph Beer kletterte die definierte Querung „White Magic“ 8a am Burghalde.
  • Marc Ott wiederholte „L´amour et le Crane“ 8b in Kronthal.
  • Nicolas Maurice wiederholt den Dachklassiker „Monument Hysterique“ 8b in Kronthal
  • Colin Claudon war in „Orange Amer“ 8a erfolgreich.
  • Marc Ott und Pierre Bollinger kletterten in Franken an der Soranger Wand „Doppelpack“ 10-, Marc „Ira Technokratie“ 9+/10-, Pierre noch „Victoria“ 10-

Info: palatinum.info & Yann Corby

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