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Eine neuartige Sucht in Deutschland (2)

Franzosen schon lange infiziert

Die Sucht, die nun die Reihen dieses etwas wunderlichen Volkes dezimiert, trat schon vor einigen Jahren in sporadischer Form auf. Aus Amerika wurde von einigen noch nicht weiter besorgniserregenden Einzelfällen berichtet, doch schon wenige Jahre später traten die ersten Fälle auch in Deutschland, und hier vor allem in der Fränkischen Schweiz und der Pfalz auf. Wohl dort entstand eine durch Lokalkollorit begünstigte Abkürzung für den Namen der krankhaften Sucht: Boldan (Biccolos Obscuros LapiDes Ascendentia), in der englischen Sprache Bouldern. Zu spät wurden wir gewahr, daß die Seuche in Frankreich schon einen ganzen Landstrich südlich von Paris fest in ihrer Hand hatte, hier wurde der Sucht wohl Vortrieb durch eine einseitige Ernährung aus Baguette, Wein und Froschschenkeln geleistet. Allgemein scheint die Seuche vor allem diejenigen unter den Kletterern zu befallen, die durch einen anderen modernen Virus geschwächt sind - den Virus Labor, im Volksmund auch "Schaffe" oder "Maloche" genannt, dessen auffälligstes Krankheitssympton ein chronischer Zeitmangel ist. Tatsache ist jedenfalls, daß die Seuche ihre flächendeckende Ausbreitung in Deutschland just in dem Moment erfuhr, als eine Vielzahl führender Kletterer vom Virus Labor befallen wurde.
Die Sucht zieht massive psychische, physische und soziale Veränderungen unter den Befallenen nach sich.

Aus soziokultureller Sicht ist bemerkenswert, daß die Süchtigen (auch Boulderer genannt) einerseits zu einer starken Gruppenbildung, andererseits zu sozialer Ausgrenzung neigen. Normalerweise trifft man Boulderer nämlich an verborgenen Plätzen im Wald, möglichst weit jeder menschlicher Ansiedlungen, jedoch fast immer in der Nähe von natürlichen Höhlen , jedoch nie alleine, sondern in zunehmend größeren Rudeln an. Während einem Fremden - meist sogar Boulderern aus anderen Rudeln - eine Annäherung nur schwer, in einigen Gebieten Bayerns sogar unmöglich ist, wird innerhalb der Gruppe alles brüderlich geteilt, so zum Beispiel die mitgebrachten Schlafmatten (siehe dazu weiter unten), Essen und Trinken, ja sogar die Zahnbürste.

Die physische Konstitution der Boulderer ist meist bemitleidenswert. Wir finden blasse, hohlwangige und dünnbeinige Gestalten mit ballonartig aufgedunsenen Oberkörpern. Weit verbreitet ist eine Sonnen- und Wärmeallergie: Beim kleinsten Anzeichen eines Sonnenstrahles verflüchtigen sich die Boulderer in düstere, kalte Waldhöhlen aus nacktem Fels. Die Finger sind meist zu Klauen verwachsen, die Haut an den Fingerkuppe völlig zurückgebildet. Noch nicht ganz geklärt ist die Frage, ob das Herumtragen von Schlafmatten auf einen krankhaften Umstand zurückzuführen ist. Viele Experten gehen davon aus, daß Boulderer von einer Art Schlafkrankheit oder der Fallsucht heimgesucht werden.