Vorwort zum Film
Boulder Area
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von Alex Wenner oder: wie stark ist ein Mann?
Namen im Text wurden absichtlich geändert, die Geschichte aber hat sich so zugetragen.

Es geschah an einem Oktoberwochenende. Die Klettersaison neigte sich ihrem Ende entgegen, der Bärenbrunnerhof zelebrierte mit Doors Revival Band und einem Diavortrag den Beginn der Bouldersaison. Die Nacht war lang und viele Mädels kamen zur Party.
Claudio, ein Charmeur der Sonderklasse und Mittelklasseboulderer, war auch da. Die Entscheidung fiel schwer, welche Frau es denn werden sollte, für diese eine Nacht. Claudio macht da keine Ausnahme, er hat ganz klare Vorstellungen. Gut bouldern muss sie können, Griffe putzen und auch gut spotten, wenn sein Astralkörper Richtung Pad fliegt.

Am Ende ging Claudio alleine in seine Retro-Look Pension, die eher an die 70-ziger Jahre erinnerte als an das, was der heutige Pfalz-Tourist bei dem reichhaltigen Angebot erwarten würde. Das Ambiente wurde unterstützt von gefühlvoll ausgestopften Eichhörnchen, Hirschgeweihen und der umhäkelten Klopapierrolle auf der Fensterbank. Süsse Träume leiteten ihn in einen Dornröschenschlaf.
Claudio ist nicht mehr der Jüngste. Am Morgen ging's nach einem Kaffee direkt zum Block. Blass war er, fast grün im Gesicht, der Frust steckte ihm noch tief im Nacken, das es letzte Nacht zu keiner improvisierten Reproduktion – das was man landläufig unter Sex ohne Befruchtung versteht- gekommen ist. Es kam, wie es kommen musste. Nach einer kurzen Aufwärmphase am Block fiel er um - Claudio, der alle Energie beim Anbaggern lies, lag auf dem Chrashpad, noch blasser als vorher, einem Kollaps nahe. Aus dem erhofften Sitzstart wurde ein nicht mehr enden wollender Liegestart. Auch die Zufuhr eiweisshaltiger und energiespendener Riegel halfen nicht. Nach der Bergung, die sich als schwierig erwies, denn Claudio konnte kaum noch laufen, fuhr man ihn ins Krankenhaus, es sah wirklich schlecht aus um ihn. Dort angekommen wurde er im Rollstuhl zur Intensivstation gebracht.
Es war Sonntag, daher kaum Ärzte im Haus und sehr still. Claudio dachte, um sich abzulenken von all dem Leid, an die hübschen Girls, die die Nacht zuvor sein Herz frohlockten. Seine Fantasie ging soweit, dass er von einer mit nur knappem Rock bekleideten Oberschwester träumte, aber auch von den schönen Boulders im Wald. Die Geräusche und das Piepsen der Herz-Lungen Maschinen im Nachbarraum hinterliessen ein komisches Gefühl in der Magengegend. Man hörte Schritte im Gang, die bei jedem einzelnen lauter wurden, so als würde gleich ein Elefant um die Ecke biegen. Und es kam wieder, wie es kommen musste.
Ein vom Geräuschpegel her sich fast rollender Bloc bog ums Eck. Oberschwester Kristine sollte sein Schicksal werden an diesem Tag. Locker geschätzt wog sie 120-130 kg, einen weissen Kittel trug sie auch, ganz nach Claudio´s Geschmack.
„Herr Claudio, machen Sie bitte ihren Oberkörper frei, wir müssen ein EKG aufnehmen“ rief es mit tiefer Stimme, locker Tenor, fast bassartig. Ein Sopran der Girls der Nacht zuvor, wär ihm sicher lieber gewesen. Das EKG verlief positiv, die vielen Moves in den kurzen Low- und Highballs haben sein Herz gestärkt. Es ging glimplich für ihn aus, Oberschwester Kristine schlief in ihrem eigenen Bett, eine hübsche Ärztin bat zur Blutprobe und Claudio verbrachte einige Tage, aber nur zur Vorbeugung eines Kollapses in der Intensivstation.

Mit Bouldern war erstmal Schluss, der Pressatmung wegen beim Pullen, Feste dieser Art auf´m Hof gabs auch keins mehr so schnell und Claudio ist wieder auf der Piste, die Matte im Kofferraum, immer für einen Notfall gerüstet.