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von Alex Wenner Die Kunst der Negativmotivation beim Klettern
Interview mit D., weiblich, Alter >35, sehr attraktiv und narzistisch

    Jim Karn (USA), Vordenker von „Wie kann ich negativer Energie Positives abgewinnen“, ist ein Anfänger im Vergleich zu D.
    Wir haben mit dem Ex-Model über ihre Vision des Kletterns gesprochen.

    Fotos: AlexW

Du kletterst erst seit einigen Monaten. Wann hast du begonnen und warum?

Das spielt doch gar keine Rolle, was für eine Frage. Da mein Freund leidenschaftlicher Kletterer ist, ich ihn sexy finde und sein Po gustiös ist, hat mich dazu motiviert, und das war der Grund.

Findest du Klettern toll?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich gehe Klettern für meinen Body, gut finde ich es eher nicht, zumindest nicht in der Halle. Anfangs langweilte ich mich und ich war immer froh, wenn ich´s hinter mir hatte. Das hat sich mittlerweile etwas geändert, suppletorisch möchte ich aber noch hinzufügen, dass mir nach dem Training meine Muskeln gefallen, die von Tag zu Tag definierter werden.

Wie oft gehst du in der Woche Klettern?

Gezwungenermassen zwei bis drei mal, wobei mir Hallenklettern sehr schwer fällt – wegen der Klientel. Unmengen von Vollökos, dazu die Fitnessgorillas mit ihren Urschreien und ihren Stirnbändern, also wirklich nichts fürs Auge, und mir wird speiübel, wenn ich schon daran denke. Ich habe schon ein ausgeprägtes ästhetisches Bewusstsein und bin etwas narzistisch. Das ist schon frappant. Deswegen bin ich, wenn es die Zeit erlaubt, lieber am Fels. Dort läuft das bessere Material rum und ich liebe die Landschaft. Wenn ich ans Plastik gehe, dann ist mir eine leere Halle z.b in der Mittagszeit am liebsten, da ich ohne Publikum am leistungsfähigsten bin.

Du hast dich trotz Deiner negativen Einstellung schnell gesteigert. Wie kam´s?

Doch, das Klettern liegt mir gut. Ich begann mit 6er Touren, 4er und 5er waren mir von Anfang an zu langweilig. Da ich ein äusserst desultorischer Mensch bin, klettere ich hin und wieder schon auch leichtere Touren zum Aufwärmen, aber dann nur im Toprope. Vorstieg reizt mich selten und ist mir zudem oft zu gefährlich. Ich möchte mich nicht verletzen. Es ist so, dass mich die Einhängerei der Expressen im Vorstieg ganz schön nervt, im Nachstieg finde ich das Ausklippen der Haken aber auch schrecklich. Jedoch bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch, trotz der Langeweile.

Was macht dann den Reiz aus, warum kannst du es nicht lassen und gehst nicht wie alle, die nur ihren Body trainieren wollen, ins Fitnesstudio?

Wenn die Fitnessgeräte in der freien Natur ständen, wäre das eine echte Alternative, ansonsten gibts in diesen Studios, wie auch in den Kletterhallen zu viele Glotzer, man fühlt sich ständig beobachtet und das macht mich nervös. Zudem bietet mir das Klettern mehr Abwechslung und meinem Freund gegenüber bin ich sehr jovial und begleite ihn bei seinen Touren.

Möchtest du nicht mal ausländische Klettergebiete kennenlernen, reisen, neue Mentalitäten kennenlernen?

Doch schon, hab ich auch schon gemacht. Jedoch suche ich mir die Gebiete nach anderen Kriterien raus. Mir ist wichtig, dass die Gebiete in der Nähe von guten Shopping-Lokalitäten sind. Ich gehe leidenschaftlich gerne shoppen, aber keinen Schrott, es müssen schon edle Läden sein und das macht die Auswahl der Klettergebiete schon schwieriger. Die besten Felsen liegen ja, wie ich mir hab sagen lassen, weit abseits der Haute Couture. Aber um deine Frage bezüglich anderer Mentalitäten zu beantworten, muss ich sagen, dass mich andere Menschen, ausser die, mit denen ich direkt zu tun habe, nicht interessieren.

Mal eine kurze Zwischenfrage. Sagt dir Kinästhesie (Anm d.Red: Bewegungsgefühl und Liebe zur Perfektion in der Bewegung) was?

Was? Ist das das neue Parfüm von Dolce&Gabbana? Das klingt ja furchtbar geschwollen. Natürlich weiss ich, was kinästhetisches Bewusstsein mit Klettern zu tun hat. Ich bin stets bemüht, mich subtil zu bewegen, das Auge klettert schliesslich mit.

D. am Fels Ex-Model D. beim Genußklettern am Fels

Vergiss es! Du sagtest, Fels gefällt dir besser, was war dein schönstes Erlebniss?

Gut gefallen hat mir mein erster glatter 7er. Das war eine Wand, 30m lang, kleingriffig und ausgesetzt. Am Anfang hatte mir die Höhe Probleme gemacht, ich hatte Angst. Bei dieser Wand spürte ich, das ich es geschafft hatte. Ich konnte meine Ängste überwinden. Mein zweitschönstes Erlebniss war ein Einkaufsbummel bei Zara. Dort fand ich eine schicke Hose, 3/4 lang, sie passt schön zu meinem Gurt und zu meinem Magnesiumbeutel. Ich fühle mich wohl, mit ihr zu klettern, sieht einfach toll aus und betont meinen Hintern. Mir gefällt dieser Ökoschlabberlook und verrissenen Shorts einiger in der Halle nicht, da bekomme ich Gänsehaut.

Liest du Klettermagazine?

Ab und zu die Magazine meines Freundes. Zuletzt das Klettern mit dem Interview von Josunne, die Routen bis 9a+ (11+) gemacht hat. Das hat mich begeistert, deren Biss, bis sie ihr Projekt endlich realisiert hat.

Hast du mal darüber nachgedacht deine Fähigkeiten an alternativen Geräten zu verbessern, wie Campusboard, Slackline, Boulderwand?

Ach was, das ist ja noch langweiliger als Routenklettern. Bouldern mag ich nicht und slacklinen find ich kindisch. Andere sagen, durch die Konzentration und das Finden der Inneren Mitte ist es dem Klettern sehr ähnlich, man kann abschalten und befreit sich von seelischen Staus. Ich habe es einmal probiert und empfand keinen Spass dabei.

Zum Abschluss. Was wünscht du dir in der Zukunft für den Klettersport?

Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen mit dem gleichen ästhetischen Anspruch, klettern gehen. Zudem sollten einige, bevor sie in die Halle kommen, ihr Deo erneuern oder duschen, mir wirds da immer schwindlig. Wenn ich den Gestank einiger einatmen muss, bin ich konsterniert. Auch deren Fussgeruch törnt mich ab. Mein Gott, wie eklig, ich frag mich, welcher Partner das mitmacht. Ansonsten hoffe ich auf weitere schöne Touren an schönen Felsen und werde mich wohl oder übel überwinden müssen. Die Wintersaison steht vor der Tür und mir scheint, dass die Halle der einzige Weg ist, mal abgesehen von einem bevorstehenden Urlaub, meine Kraft zu verbessern. Aber sicher nur vormittags, wenn die Halle leer ist.