Jim Karn (USA), Vordenker von „Wie kann
ich negativer Energie Positives abgewinnen“, ist ein
Anfänger im Vergleich zu D.
Wir haben mit dem Ex-Model über ihre Vision des Kletterns
gesprochen.
Fotos: AlexW
Du kletterst erst seit einigen Monaten. Wann hast
du begonnen und warum?
Das spielt doch gar keine Rolle, was für
eine Frage. Da mein Freund leidenschaftlicher Kletterer ist, ich
ihn sexy finde und sein Po gustiös ist, hat mich dazu motiviert,
und das war der Grund.
Findest du Klettern toll?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich gehe
Klettern für meinen Body, gut finde ich es eher nicht, zumindest
nicht in der Halle. Anfangs langweilte ich mich und ich war immer
froh, wenn ich´s hinter mir hatte. Das hat sich mittlerweile
etwas geändert, suppletorisch möchte ich aber noch hinzufügen,
dass mir nach dem Training meine Muskeln gefallen, die von Tag
zu Tag definierter werden.
Wie oft gehst du in der Woche Klettern?
Gezwungenermassen zwei bis drei mal, wobei
mir Hallenklettern sehr schwer fällt – wegen der Klientel.
Unmengen von Vollökos, dazu die Fitnessgorillas mit ihren
Urschreien und ihren Stirnbändern, also wirklich nichts fürs
Auge, und mir wird speiübel, wenn ich schon daran denke.
Ich habe schon ein ausgeprägtes ästhetisches Bewusstsein
und bin etwas narzistisch. Das ist schon frappant. Deswegen bin
ich, wenn es die Zeit erlaubt, lieber am Fels. Dort läuft
das bessere Material rum und ich liebe die Landschaft. Wenn ich
ans Plastik gehe, dann ist mir eine leere Halle z.b in der Mittagszeit
am liebsten, da ich ohne Publikum am leistungsfähigsten bin.
Du hast dich trotz Deiner negativen Einstellung schnell gesteigert.
Wie kam´s?
Doch, das Klettern liegt mir gut. Ich begann mit
6er Touren, 4er und 5er waren mir von Anfang an zu langweilig.
Da ich ein äusserst desultorischer Mensch bin, klettere ich
hin und wieder schon auch leichtere Touren zum Aufwärmen,
aber dann nur im Toprope. Vorstieg reizt mich selten und ist mir
zudem oft zu gefährlich. Ich möchte mich nicht verletzen.
Es ist so, dass mich die Einhängerei der Expressen im Vorstieg
ganz schön nervt, im Nachstieg finde ich das Ausklippen der
Haken aber auch schrecklich. Jedoch bin ich ein sehr ehrgeiziger
Mensch, trotz der Langeweile.
Was macht dann den Reiz aus, warum kannst du es nicht lassen
und gehst nicht wie alle, die nur ihren Body trainieren wollen,
ins Fitnesstudio?
Wenn die Fitnessgeräte in der freien Natur
ständen, wäre das eine echte Alternative, ansonsten
gibts in diesen Studios, wie auch in den Kletterhallen zu viele
Glotzer, man fühlt sich ständig beobachtet und das macht
mich nervös. Zudem bietet mir das Klettern mehr Abwechslung
und meinem Freund gegenüber bin ich sehr jovial und begleite
ihn bei seinen Touren.
Möchtest du nicht mal ausländische Klettergebiete
kennenlernen, reisen, neue Mentalitäten kennenlernen?
Doch schon, hab ich auch schon gemacht. Jedoch
suche ich mir die Gebiete nach anderen Kriterien raus. Mir ist
wichtig, dass die Gebiete in der Nähe von guten Shopping-Lokalitäten
sind. Ich gehe leidenschaftlich gerne shoppen, aber keinen Schrott,
es müssen schon edle Läden sein und das macht die Auswahl
der Klettergebiete schon schwieriger. Die besten Felsen liegen
ja, wie ich mir hab sagen lassen, weit abseits der Haute Couture.
Aber um deine Frage bezüglich anderer Mentalitäten zu
beantworten, muss ich sagen, dass mich andere Menschen, ausser
die, mit denen ich direkt zu tun habe, nicht interessieren.
Mal eine kurze Zwischenfrage. Sagt dir Kinästhesie (Anm
d.Red: Bewegungsgefühl und Liebe zur Perfektion in der Bewegung)
was?
Was? Ist das das neue Parfüm von Dolce&Gabbana?
Das klingt ja furchtbar geschwollen. Natürlich weiss ich,
was kinästhetisches Bewusstsein mit Klettern zu tun hat.
Ich bin stets bemüht, mich subtil zu bewegen, das Auge klettert
schliesslich mit.
Ex-Model D. beim Genußklettern
am Fels
Vergiss es! Du sagtest, Fels gefällt dir besser, was war
dein schönstes Erlebniss?
Gut gefallen hat mir mein erster glatter 7er.
Das war eine Wand, 30m lang, kleingriffig und ausgesetzt. Am Anfang
hatte mir die Höhe Probleme gemacht, ich hatte Angst. Bei
dieser Wand spürte ich, das ich es geschafft hatte. Ich konnte
meine Ängste überwinden. Mein zweitschönstes Erlebniss
war ein Einkaufsbummel bei Zara. Dort fand ich eine schicke Hose,
3/4 lang, sie passt schön zu meinem Gurt und zu meinem Magnesiumbeutel.
Ich fühle mich wohl, mit ihr zu klettern, sieht einfach toll
aus und betont meinen Hintern. Mir gefällt dieser Ökoschlabberlook
und verrissenen Shorts einiger in der Halle nicht, da bekomme
ich Gänsehaut.
Liest du Klettermagazine?
Ab und zu die Magazine meines Freundes. Zuletzt
das Klettern mit dem Interview von Josunne, die Routen bis 9a+
(11+) gemacht hat. Das hat mich begeistert, deren Biss, bis sie
ihr Projekt endlich realisiert hat.
Hast du mal darüber nachgedacht deine Fähigkeiten
an alternativen Geräten zu verbessern, wie Campusboard, Slackline,
Boulderwand?
Ach was, das ist ja noch langweiliger als Routenklettern.
Bouldern mag ich nicht und slacklinen find ich kindisch. Andere
sagen, durch die Konzentration und das Finden der Inneren Mitte
ist es dem Klettern sehr ähnlich, man kann abschalten und
befreit sich von seelischen Staus. Ich habe es einmal probiert
und empfand keinen Spass dabei.
Zum Abschluss. Was wünscht du dir in der Zukunft für
den Klettersport?
Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen
mit dem gleichen ästhetischen Anspruch, klettern gehen. Zudem
sollten einige, bevor sie in die Halle kommen, ihr Deo erneuern
oder duschen, mir wirds da immer schwindlig. Wenn ich den Gestank
einiger einatmen muss, bin ich konsterniert. Auch deren Fussgeruch
törnt mich ab. Mein Gott, wie eklig, ich frag mich, welcher
Partner das mitmacht. Ansonsten hoffe ich auf weitere schöne
Touren an schönen Felsen und werde mich wohl oder übel
überwinden müssen. Die Wintersaison steht vor der Tür
und mir scheint, dass die Halle der einzige Weg ist, mal abgesehen
von einem bevorstehenden Urlaub, meine Kraft zu verbessern. Aber
sicher nur vormittags, wenn die Halle leer ist.