Red Chili climbing gear
Red Chili climbing gear
[an error occurred while processing this directive]
logo palatinum

von Alex Wenner Prima Torre di Sella 2533m – „Via Icterus” 8 und „The Bernards“ Ausstieg (7+/8- obligatorisch, 200 m) on sight (Länge 2 im 2. Versuch)
Erstbegehung: Eisendle/König 1983 7+/A1 – saniert 2009 durch Renato Bernard & Alberto de Giuli
Art:

Schöne Tour (3 von 5 Sternen), die 1983 recht kühn von Eisendle von unten erstbegangen wurde (Schlüsselseillänge unten damals allerdings nur toprope), mit Pendelseilzugquerung A1 in der vierten Seillänge.

O-Ton H.P. Eisendle 2012 an den Meisules, wo wir ihn trafen:
„1983 gab es zwei Testpieces in den Alpen: „Locker vom Hocker” 8- am Schüsselkar von Güllich/Albert und eben Icterus“

Die Route „Pilastro di Mezzo- oder Mittelpfeiler 8 (über Messnerplatte, mit Mariacher Umgehung 7)“ von Messner am Heiligkreuzkofel wurde von den damaligen Topkletterern noch nicht wirklich wahrgenommen. Heute ist Icterus trotz der Bohrhaken ab der zweiten Seillänge deutlich fordernder als die benachbarte Delenta Carthago, noch nicht vollständig abgeklettert und etwas keksig, vor allem in den Schlüsselsequenzen zwingend. Bequeme Standplätze, ausser den nach Länge 4 (Schlingenstand auf steiler Platte). Kurzer Zustieg, Abstieg durch Abseilen.

Seillängen: 7 (3-4, 8, 7, 8-, 6, 7-, 7)
Zeit: Vom Sellapass zur Südwand des ersten Turms in 20 Minuten, der Einstieg ist 10 m links der Schober/Delenta und knapp rechts der Riesenverschneidung der Tissi. In 4 Stunden durch die Wand und in 45 Minuten abseilend wieder runter über die Tour, über die Steger abseilen oder über den Normalweg (Laufen-Abklettern, UIAA 2 mit  1 bis 2 x Abseilen). Dann in 15 min zu Fuss runter zum Pass.
Schwierigkeit: 8 in der zweiten Seillänge, 8- in der vierten, Rest durchweg im 7. Grad.

Seillängen:
  1. 4 (12m) – flacher Vorbau über kurze Verschneidung (CAM 0.75) zu Absatz mit 2 Ringhaken der Tissi.
  2. 8 (30 m) – kratzige, unübersichtliche (wenn nicht angetickt) Wandkletterei an veränderlichem, gelb splittrigem Dolomit (wird sicher noch schwerer über die Jahre, da fliegt noch einiges raus bei mehr Begehungen, jetzt schon keine 6c+ mehr wie in den Topos angegeben, hab die Länge 2 Mal geklettert, könnte auch mit 8+ bewertet werden).
  3. 7 (25 m) – nette Verschneidung (Fixkeil und CAM 0.3) zu Einzelstelle (7 obl) in gelblich brüchigem Fels, am 3. BH nicht gerade, sondern linkshaltend über Rampe zu Querriss (NH auf Band- verlängern), rechts zu Bolt und über Querriss 10 m waagrecht nach rechts (zuerst CAM 2 in der Verengung in Riss-Mitte (da würde besser CAM3 passen, den wir nicht hatten), am Ende des Risses CAM 1) zu bequemen Stand auf Absatz. Ab hier startet auch Variante „The Bernards“ 7+ gerade raus, Icterus biegt links ab.
  4. 8- (28 m) – technisch anspruchsvolle gut gesicherte Wandkletterei an kleinen Leisten (am Ende der Querung leicht absteigend queren zu Kante und über Platte zu Schlingenstand auf Platte). Auch eher Tendenz zu 8-/8.
  5. 6 (35 m) – von der Felsqualität die beste Seillänge, über Plattenverschneidung (2 BH) zu Absatz (NH) und gerade über 2 BH (nicht rechts wie im Bernardi Topo) zu Stand auf Absatz. Der Icterus verläuft ab hier gerade und leichter, eher rechtshaltend hoch auf Band. Wir wählten den steileren Pfeiler vom Stand links weg (ich nehme an das dies der Ausstieg von „The Bernards“ ist und hier Icterus kreuzt).
  6. 7- (30 m) – vom Stand links haltend über 3 sichtbare BH (insgesamt 5 oder 6 BH) – Variante „The Bernards“ zu breitem Band – Stand an einzelnem Ringhaken. Stand von Icterus ist 7 m weiter rechts an 2 BH mit Ring zum Abseilen.
  7. 7 (25 m) – vom Ringhaken gerade leicht abdrängend „The Bernard´s“ weiter und etwas unabgeklettert brüchig über 6 BH zum Gipfel (Stand an 2BH mit Ring)
Material: Standplätze (jeweils mit Ring zum Abseilen) sowie auch alle Zwischenhaken in guter Zahl vorhanden – CAM 0.3, 0.75, CAM 1 und CAM 2 sind ausreichend. 12 Exxen, wer noch besser nachsichern möchte kann das sicher mit einem zusätzlichen Satz Rocks und CAM 3 für Querriss in Länge 3 erledigen
Topo:
Foto & Linie: AlexW
Info:

Nach 2 Stunden schlafen gings mit Appetit auf Dolomit Richtung Süden. Icterus wurde kurzerhand als Start definiert und war dann am Ende, uneingeklettert und noch müde von der Fahrt,  im Kaltstart deutlich fordernder als erwartet.
Wer die zweite Länge (Schlüssel der Tour) on sighten will, braucht gute Ausdauer an kleinen Krätz-Leisten und idealerweise einen, der vorher durch ist und gechalkt und getickt hat – die Länge ist sehr unübersichtlich. Bei uns gab es keine Begehungsspuren und prompt gings undankbar nach der Crux unschön abwärts. Bin´s dann im zweiten Versuch durchgeklettert. Schon schwerer als 8-.
Länge 3 ist mässig von der Schönheit, der Schlüsselzug im Bruch, Quergang zum Stand lässt sich locker mit CAMs entschärfen, ist aber etwas lehmig im breiten Riss.
Länge 4 fordernd, technisch schwierig, man hebt gute Leisten, tanzt aber zeitweise mit den Füssen auf gelbem Keks rum. Nach der von der Felsquali schönsten Länge hatte sich die von Innsbruck angekündigte Kaltfront mit starkem Wind und Nieselregen bemerkbar gemacht, der Wind so stark, dass sich glücklichweise die hässlich schwarzen Wolken erstmal wieder verzogen hatten, bis wir am Gipfel ankamen. Oben sind wir dann die neue Variante im Speed und Niesel geklettert, die nochmal steil und bisschen keksig zum Gipfel leitet, vor allem schwieriger als Icterus Ausstieg. Icterus ist oben in beiden Längen 5c/6a und verläuft 5-10 m weiter rechts, die Variante ist 6a+ und 6b zum Gipfel. Zum Schluss gelang Alvaro noch ein Planker (von Planking) am Pass und zum vollständigen Aufwachen gabs Cappus.

Nachtrag:
Zufällig trafen wir Renato Bernard in Pian Schiavaneis beim Klettern. Die neue Variante ist von Juni 2012 und tatsächlich ist diese Ausstiegsvariante von ihm mit 7- und 7 bewertet. Interessanterweise scheint die Variante aber genau dem Original zu entsprechen, dem Icterus-Ausstieg, den Eisendle 1983 ausgestiegen ist.
Fazit:

Recht schöne, gut gesicherte und fordernde Kletterei, Länge 2 ist keine Ausgeburt an Schönheit, aber doch recht pumpig, insgesamt deutlich höher im Anspruch als die benachbarte Delenta Carthago, aber auch nicht so genussvoll und schön wie die Delenta. Aus alpinhistorischer Sicht ist es allerdings eine Pflichtwiederholung.

    Bilder zum Vergrößern anklicken (JavaScript einschalten!)

    Aus dem niemals erschienenen Band „Meine Dolomiten – Volume Two“ – Vorfeude auf die erste grosse Bergfahrt 2012 am Sellaturm - Im Hintergrund Sellatürme Zustieg zum Turm über schöne Almwiesen Sellaturm mit eingezeichneter Linie von „Icterus“ Alex – 2. Seillänge 8 über der Crux Alex kurz vorm Stand 2. Standplatz – solidestes Material Alvaro kratzt hinterher Da schaut er der Bub – kleingriffiger als erträumt Der unangenehme Mantle aufs flache Band am Ende lässt sich mit einem Skyhook mit grossem Radius als Keilersatz auf Leiste super sichern Dranbleiben Alvaro... Kletterer aus Heidelberg in der ersten Seillänge (7-) von „Via dei Gardenesi“ 9+ Sellapasstraße nach Canazei Alex in der 3. Seillänge  (7) Jetzt wirds gleich ganz keksig Alex in der Schlüsselstelle von Länge 3 (7) Alex rächt gemütlich oine beim Nachsichern während sich im Background paar Seilschaften durch die Kamine der „Fiechtl“ 5- fürchten Alvaro am Ende der 3. Länge Nochmal Ende der 3. Länge Alvaro on sightet Länge 4  (8-) Da muss man schon a weng beihalten An der Crux von Länge 4 (8-) Länge 5 – die vom Fels her netteste (6) Alex am Gipfel – im Background ausser Gewitterwolken auch noch Langkofel und Fünffinger/Grohmann Alvaro & Alex Abseilen vom Sellaturm Das Gewitter hat sich verzogen – Die Sellatürme Sass Pordoi Alvaro beim „Planking“ am Sellapass Cappus als essentieller Bestandteil einer Dolomitenausfahrt Jetzt gewittert es wieder bei der Rückfahrt – Heiligkreuzkofel ist schon angenässt