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von Alex Wenner Keine Atempause...Geschichte wird gemacht
Erschien im Kletternmagazin mit Pics und Topos Mag. 3-2004
AlexW

...der Wetterbericht für die nächsten Tage ist grausam, Graupelschauer im Tessin, Neuschnee im Zillertal, Dauerregen in Fontainebleau. Die Neujahrsparty im „The Rock“ haben wir gottseidank überlebt, Trance, Frauen und Ramazotti, umgeben von einer wilden Mixtur farbiger Plastikgriffe, das Ambiente verfeinert durch die im Boden integrierten Deckenfluter. Ich konnte wohl schon erahnen, dass das Jahr 2003 so wahnsinnig ereignissreich werden soll. Wojtek, mein neuer Mitbewohner und ich wollten ein paar Tage nach Cresciano oder Chironico. Schließlich haben wir uns aber für den heimisch kachelrotfarbenen Sandstein entschieden, denn auch der verspricht laut Wetterman Kachelmann nassgraugrünes Patschen an gebietstypischen Slopers.

„Inferno”, “FSK 18” und “Liquid Sunshine” wurden als neue Topspots erschaffen, während UN-Inspekteure im Irak Teile von Hussein´s Raketenarsenal verschrotteten. Während die einen in ihrem mikroskopisch kleinen Sandstein-Universum makroskopisch kleine Griffe zu fixieren versuchten und ihre eigene mickrig kleine Welt erschufen, spielte sich in anderen Teilen der Welt, aber auch in der Heimat Dramaturgie der übelsten Sorte ab. Im März kam es zum ersten showdown an allen Fronten. Der Boulder „Femme Fatale“ Fb.7b+ trav. am Wartenberg sollte die Richtung angeben, was im Leberknödelland die ein oder andere Seele im tieften Inneren ihres Herzens bewegte. Bush hingegen bombadierte ohne die Bestätigung der Vereinten Nationen Bagdad.

Das „Alte Europa“, im speziellen natürlich das Pfalz-elsässisch-lothringsche Felsenland, wird derweil attackiert von bürstenschwingenden matrazentragenden Eingeborenen, die sich als Prio 1 vornahmen, DASS Sandsteinbouldergebiet Deutschlands zum Besten des Planeten zu entwickeln. Ein Traum, wie er schöner nicht sein kann. Ich möchte kurz Harry Owens zitieren:, ...Die Phantasie lebt von der Herausforderung des Undenkbaren, des Unbegreiflichen, des Unerklärlichen, des Unmöglichen. Dem ist nichts hinzuzufügen und so machten sich wiederum die eifrigsten aller Pfalz-Erschliesser auf den Weg, ihrer Phantasie Folge zu leisten. Die „Agenda 2003“ war klar definiert, Reformen gabs keine, jedoch wurde der Wald hinter Leimen durchpflügt, auf der Suche nach neuem Blockmaterial. Ingo Bald grub sich maulwurfartig durch das nach ihm benannte „IGB“, Ingo´s Geheimboulder nennen es die eingeweihten, denn keiner von uns, weder Lutz, Pascal oder ich wussten von Ingo´s neuer Entdeckung.
Der Super-Highball „The Grand Wazoo 6c“ und die Kratzertraverse „Gratmesser 7b+ trav.“ entwickelten sich schnell zur kinästhetischen Pflichtübung im Gebiet. Schouwink konnte es nicht lassen und verpasste der schnuckligen 40-Boulder Area mit „Der Pimpleogoner“ eine Fb.8a.

Die Dosenmaut ist das, was die Nation 2003 beschäftigt. Dass Stolpe eifrig an der Mautgebühr feilt, und das Dosenpfand zum Flop wurde, tangierte die Crew amWartenberg reichlich wenig. Aus den anfangs 20 Boulders wurden mittlerweile 80, darunter so klingende Namen wie „FSK 18“ Fb.8a, der 3-Zug Maxkrafthammer, oder „Ramazotti“ Fb.7b, ein für die Pfalz eher untypischen Fingerlochbloc. „Dune“ Fb.6c+, „British Racing“ Fb.6c+ und „Haute Couture“ Fb.7c trav. dürfen auf jederfrau´s Begehungsliste nicht fehlen. Der Wartenberg hat sich zum Three-Star Gebiet entwickelt und bietet mit all seinen Problemen mit das genialste, was die Pfalz zu bieten hat.

Aber zurück zum Frontenproblem. Während an Karlsruhes Grenzen das weibliche Geschlecht zum Kampf aufrief und sich ein Techtlmechtl der ausgefallensten Art ergab, konnte derjenige mit der Power eines Dinosauriers im Jurassic Park, gegenüber des Wartenbergs gelegen, in den Boulderproblemen „T-Rex“ Fb.7b, „Brachiosaurus“ Fb.7b+ oder an der Kante „Archaeopteryx“ Fb.6c seine Neigungen ausleben.

Die voranschreitende Erderwärmung erklärt wohl auch die überhitzen Gemüter im Jahrhundertsommer dieses Jahres. So kam es, dass feminine als auch maskuline Hormone bewusst unter Kontrolle gebracht werden mussten, andere erschlossen mit klar gerichtetem Tunnelblick Softcore-Gebiete wie das Kleinod „Steinerner Tisch“ bei Bad Bergzabern, manch anderer etwas hardcoriger, schattige Ost- und Nordwändchen am Morschen- und Hochberg bei Edenkoben. Der Zustieg zum Hochberg ist von dreister Länge, aber der, der seine klapprigen Boulderbeine dort hin bewegen kann, wird mit einer edlen Auswahl feinster Blöcke belohnt. Das wären die optisch ansprechende Kante „Yokuzuna“ Fb.7c+, der Schnapper „Fu Manchu“ Fb.7c, ein Mini-traum oder die Sloperkante „OTE“, die bei 7a eincheckt. Der tiefer im Tal und hässlich gelegene Morschenberg liegt auf dem Weg zum Hochberg und bietet ausser ein paar heftigst fingeraufbiegenden Projekten, Pflichtübungen wie die Bald Traverse „Smoking Gun“ Fb.8a oder das Einzugproblem „La Schweigen“ Fb.7c. Die kieslige Platte „Soweit die Füsse tragen“ Fb.7a+ rundet das Angebot angenehm ab.
Schwarzenegger wurde Gouverneur in Kalifornien, die Steuerreform in Deutschland war durch und der Steinerne Tisch bei Bergzabern ist heute ein nettes neues Bouldergebiet, allein schon wegen dem kurzen Zustieg. Lässig gehts in 2 Minuten zum Block, richtig fett gehts danach nur in Bad Bergzaberns Eisdiele zu, aber nicht im Gebiet. Die meisten der 33 Problemchen liegen im Genussboulderbereich.

Die Situation im Herbst spitzte sich dramatisch zu. Nachdem Bohlen´s literarischer Ausflug zensiert wurde und die Pop-Superstars im Casting der Tränen dahinflossen, mussten die Pfälzer Areas Haardt und Kalmit als resterschlossen betrachtet werden. Black Fish Fb.7a trav und die Super-Highballs“3-Big Ones” mit Bätsch nasse Schuh Fb.7a+ , Chakra extended Fb. 7c+ trav und Brit Phenomena solo Fb.6c wurden die letzten Errungenschaften im Energiezentrum. In den tiefsten und mystischen Winkel des Dahner Waldes enstand ein weiterer secret Spot. KGB nennen es die Pfalz-Aborigines. Radar Love Fb.7a+ und KGB Fb.6c sind die zwei Toptips, die Gypsi´s im 7.Fb-Grad sind auch nicht zu verachten. Ich blieb von dieser Entwicklung nicht unberührt.Das Universum um mich herum drehte sich schnell weiter, mir wurde ganz schwindelig und es kam, wie es kommen musste. Verrückt, sprachen die Mädchen dann im Chor und ich als Opfer der Umstände fühlte mich so ganz langsam als Mittelpunkt des Experiments.
Mit Experimentum Vis Fb.7c bekam das im Abseits gelegene Kirkel und im speziellen das Saarland von Filipiak einen 7c bloc verabreicht.
Das Bouldern in der Pfalz ist phantastisch, Träume, Visionen und Ängste, lebt jeder nach seiner individuellen Vorstellung und Harry und ich glauben es zu wissen: Bäume reden selten über Wälder und Flammen kennen kein Feuer 1), der Block kennt keine Sloper und die Phantasie weiß nur über das Unmögliche. .... es geht voran!

1) Zitat: Harry Owens