...der Wetterbericht für die nächsten
Tage ist grausam, Graupelschauer im Tessin, Neuschnee im Zillertal,
Dauerregen in Fontainebleau. Die Neujahrsparty im „The Rock“
haben wir gottseidank überlebt, Trance, Frauen und Ramazotti,
umgeben von einer wilden Mixtur farbiger Plastikgriffe, das Ambiente
verfeinert durch die im Boden integrierten Deckenfluter. Ich konnte
wohl schon erahnen, dass das Jahr 2003 so wahnsinnig ereignissreich
werden soll. Wojtek, mein neuer Mitbewohner und ich wollten ein
paar Tage nach Cresciano oder Chironico. Schließlich haben
wir uns aber für den heimisch kachelrotfarbenen Sandstein
entschieden, denn auch der verspricht laut Wetterman Kachelmann
nassgraugrünes Patschen an gebietstypischen Slopers.
„Inferno”, “FSK 18” und “Liquid
Sunshine” wurden als neue Topspots erschaffen, während
UN-Inspekteure im Irak Teile von Hussein´s Raketenarsenal
verschrotteten. Während die einen in ihrem mikroskopisch
kleinen Sandstein-Universum makroskopisch kleine Griffe zu fixieren
versuchten und ihre eigene mickrig kleine Welt erschufen, spielte
sich in anderen Teilen der Welt, aber auch in der Heimat Dramaturgie
der übelsten Sorte ab. Im März kam es zum ersten showdown
an allen Fronten. Der Boulder „Femme Fatale“ Fb.7b+
trav. am Wartenberg sollte die Richtung angeben, was im Leberknödelland
die ein oder andere Seele im tieften Inneren ihres Herzens bewegte.
Bush hingegen bombadierte ohne die Bestätigung der Vereinten
Nationen Bagdad.
Das „Alte Europa“, im speziellen natürlich das
Pfalz-elsässisch-lothringsche Felsenland, wird derweil attackiert
von bürstenschwingenden matrazentragenden Eingeborenen, die
sich als Prio 1 vornahmen, DASS Sandsteinbouldergebiet Deutschlands
zum Besten des Planeten zu entwickeln. Ein Traum, wie er schöner
nicht sein kann. Ich möchte kurz Harry Owens zitieren:, ...Die
Phantasie lebt von der Herausforderung des Undenkbaren, des Unbegreiflichen,
des Unerklärlichen, des Unmöglichen. Dem ist nichts
hinzuzufügen und so machten sich wiederum die eifrigsten
aller Pfalz-Erschliesser auf den Weg, ihrer Phantasie Folge zu
leisten. Die „Agenda 2003“ war klar definiert, Reformen
gabs keine, jedoch wurde der Wald hinter Leimen durchpflügt,
auf der Suche nach neuem Blockmaterial. Ingo Bald grub sich maulwurfartig
durch das nach ihm benannte „IGB“, Ingo´s Geheimboulder
nennen es die eingeweihten, denn keiner von uns, weder Lutz, Pascal
oder ich wussten von Ingo´s neuer Entdeckung.
Der Super-Highball „The Grand Wazoo 6c“ und die Kratzertraverse
„Gratmesser 7b+ trav.“ entwickelten sich schnell zur
kinästhetischen Pflichtübung im Gebiet. Schouwink konnte
es nicht lassen und verpasste der schnuckligen 40-Boulder Area
mit „Der Pimpleogoner“ eine Fb.8a.
Die Dosenmaut ist das, was die Nation 2003 beschäftigt.
Dass Stolpe eifrig an der Mautgebühr feilt, und das Dosenpfand
zum Flop wurde, tangierte die Crew amWartenberg reichlich wenig.
Aus den anfangs 20 Boulders wurden mittlerweile 80, darunter so
klingende Namen wie „FSK 18“ Fb.8a, der 3-Zug Maxkrafthammer,
oder „Ramazotti“ Fb.7b, ein für die Pfalz eher
untypischen Fingerlochbloc. „Dune“ Fb.6c+, „British
Racing“ Fb.6c+ und „Haute Couture“ Fb.7c trav.
dürfen auf jederfrau´s Begehungsliste nicht fehlen.
Der Wartenberg hat sich zum Three-Star Gebiet entwickelt und bietet
mit all seinen Problemen mit das genialste, was die Pfalz zu bieten
hat.
Aber zurück zum Frontenproblem. Während an Karlsruhes
Grenzen das weibliche Geschlecht zum Kampf aufrief und sich ein
Techtlmechtl der ausgefallensten Art ergab, konnte derjenige mit
der Power eines Dinosauriers im Jurassic Park, gegenüber
des Wartenbergs gelegen, in den Boulderproblemen „T-Rex“
Fb.7b, „Brachiosaurus“ Fb.7b+ oder an der Kante „Archaeopteryx“
Fb.6c seine Neigungen ausleben.
Die voranschreitende Erderwärmung erklärt wohl auch
die überhitzen Gemüter im Jahrhundertsommer dieses Jahres.
So kam es, dass feminine als auch maskuline Hormone bewusst unter
Kontrolle gebracht werden mussten, andere erschlossen mit klar
gerichtetem Tunnelblick Softcore-Gebiete wie das Kleinod „Steinerner
Tisch“ bei Bad Bergzabern, manch anderer etwas hardcoriger,
schattige Ost- und Nordwändchen am Morschen- und Hochberg
bei Edenkoben. Der Zustieg zum Hochberg ist von dreister Länge,
aber der, der seine klapprigen Boulderbeine dort hin bewegen kann,
wird mit einer edlen Auswahl feinster Blöcke belohnt. Das
wären die optisch ansprechende Kante „Yokuzuna“
Fb.7c+, der Schnapper „Fu Manchu“ Fb.7c, ein Mini-traum
oder die Sloperkante „OTE“, die bei 7a eincheckt.
Der tiefer im Tal und hässlich gelegene Morschenberg liegt
auf dem Weg zum Hochberg und bietet ausser ein paar heftigst fingeraufbiegenden
Projekten, Pflichtübungen wie die Bald Traverse „Smoking
Gun“ Fb.8a oder das Einzugproblem „La Schweigen“
Fb.7c. Die kieslige Platte „Soweit die Füsse tragen“
Fb.7a+ rundet das Angebot angenehm ab.
Schwarzenegger wurde Gouverneur in Kalifornien, die Steuerreform
in Deutschland war durch und der Steinerne Tisch bei Bergzabern
ist heute ein nettes neues Bouldergebiet, allein schon wegen dem
kurzen Zustieg. Lässig gehts in 2 Minuten zum Block, richtig
fett gehts danach nur in Bad Bergzaberns Eisdiele zu, aber nicht
im Gebiet. Die meisten der 33 Problemchen liegen im Genussboulderbereich.
Die Situation im Herbst spitzte sich dramatisch zu. Nachdem Bohlen´s
literarischer Ausflug zensiert wurde und die Pop-Superstars im Casting
der Tränen dahinflossen, mussten die Pfälzer Areas Haardt
und Kalmit als resterschlossen betrachtet werden. Black Fish Fb.7a
trav und die Super-Highballs“3-Big Ones” mit Bätsch
nasse Schuh Fb.7a+ , Chakra extended Fb. 7c+ trav und Brit Phenomena
solo Fb.6c wurden die letzten Errungenschaften im Energiezentrum.
In den tiefsten und mystischen Winkel des Dahner Waldes enstand
ein weiterer secret Spot. KGB nennen es die Pfalz-Aborigines. Radar
Love Fb.7a+ und KGB Fb.6c sind die zwei Toptips, die Gypsi´s
im 7.Fb-Grad sind auch nicht zu verachten. Ich blieb von dieser
Entwicklung nicht unberührt.Das Universum um mich herum drehte
sich schnell weiter, mir wurde ganz schwindelig und es kam, wie
es kommen musste. Verrückt, sprachen die Mädchen dann
im Chor und ich als Opfer der Umstände fühlte mich so
ganz langsam als Mittelpunkt des Experiments.
Mit Experimentum Vis Fb.7c bekam das im Abseits gelegene Kirkel
und im speziellen das Saarland von Filipiak einen 7c bloc verabreicht.
Das Bouldern in der Pfalz ist phantastisch, Träume, Visionen
und Ängste, lebt jeder nach seiner individuellen Vorstellung
und Harry und ich glauben es zu wissen: Bäume
reden selten über Wälder und Flammen kennen kein Feuer
1), der Block kennt keine Sloper und die Phantasie weiß nur
über das Unmögliche. .... es geht voran!