Vorwort zum Film
Boulder Area
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von Alex Wenner Der Versuch einer Abhandlung über das Bouldern in der Pfalz
erschienen im PK-Buch der 100-Jährigen Jubiläumsausgabe 2003

Mit der Matte auf dem Rücken...Als John Gill in den 50-ziger und 60-ziger Jahren in Colorado / USA seine bis heute teilweise unwiederholten Boulder kletterte, konnte er nicht absehen, dass sich ein halbes Jahrhundert später, Anhänger dieses phylosophischen Matrazensports, auf seinen Spuren durch die Wälder Europas pilgern, mit der Intention des ganzheitlichen Seins und der kompromisslosen Auseinandersetzung mit den Strukturen des Gesteins.
Auf der Suche nach der perfekten Bewegung, dem krassesten Move, dem weitesten Dynamo und das alles nur knapp über dem Boden, gehts in meist lässigem Outfit zum Block. Schlaghosen wurden wieder aus der Kiste geholt. Bewaffnet mit Pof und Zahnbürste, und natürlich einer Matraze auf dem Rücken, kurz Crash-Pad genannt, kann man durchaus von einer Kultivierung in historisch konservativen Gebieten sprechen.
Die Pfalz blieb von dieser, von kreativen Köpfen geschaffenen Vision, aus einer mit wenig Ringen bestückten psychisch anspruchsvollen Sandsteinarea ein Bouldergebiet zu entwickeln, natürlich nicht unberührt und wurde von dieser Invasion heftigst tangiert.
Für den einen, meist den auf moralischen Werten und ethikbasierenden Traditionalisten, mag diese Veränderung die südpfälzische Apokalyse bedeuten, wenn aus seiner Sicht ein warmduscherähnliches Wesen mit so wenig Utensil durch die Wälder schleicht und den Psychoklassikern wenig Beachtung schenkt. Für den anderen, der begleitet von der endlosen Glücklichkeit, dopamingespaced durch die Blocklandschaft schlendert, auf seiner Matte eine Ziggi qualmt und sich seinem 3-zügler am Block hingibt, ist das Bouldern die “Crème” im immer mehr konsumorientierten und kommerzialisierten Bergsportdschungel.
Aber was ist “State of the Art” im Leberknödelland, haben wir es geschafft, uns den weltweit taktgebenden Gebieten anzuschliessen, taugt die Pfalz im Vergleich zu Bleau, Tessin, Rocklands ?
Zu den Facts:
Die Skala, an denen sich der Chronist aufheitern kann, reicht im Pfälzer Wald bis Fb.8a+, was in Vergleich zu der allgemein geschätzen UIAA Skala irgendwo im 11.Grad anzusiedeln wäre.
Federführend, man sagts ungern, ist eine neue Generation junger Jünger, die völlig losgelöst von den Zwängen dieser Gesellschaft, Boulder um Boulder im Highendbereich zu terminieren vermag. Da wären der Jungpuller Julius Westphal, dem schon Boulder bis Fb.8a+/b gelangen und das im zarten Alter von 15, Pascal Schouwink, eine Krallermaschine der Extraklasse, oder auch Lutz Limburg, der es zur Zeit vorzieht, an scharfkantigen Kalklöchern sich seine Fladen zu ziehen.
Waren es in der Pfalz anfangs kurze harte maximalkräftige Einzelstellen, die es zu bewältigen galt, kamen in letzter Zeit Ausdauergeräte wie “Bloodsport” Fb. 8a+ trav. am Mühlenberg oder knallharte 3-Zug-Dächer wie “FSK 18” Fb.8a von Pascal ans Tageslicht. Mittlerweile fasst das Gebiet mehr als 800 Boulder. Ja und zur Frage, ob´s taugt im Vergleich zu den Topspots, sage ich nur, gehet hin und sehet selbst…
Sensibilisiern muss man den Bouldersportler vor allem für das Sauberhalten der Kultstätten und für die Safer-chalk-Campagne.