Als
John Gill in den 50-ziger und 60-ziger Jahren in Colorado / USA
seine bis heute teilweise unwiederholten Boulder kletterte, konnte
er nicht absehen, dass sich ein halbes Jahrhundert später,
Anhänger dieses phylosophischen Matrazensports, auf seinen
Spuren durch die Wälder Europas pilgern, mit der Intention
des ganzheitlichen Seins und der kompromisslosen Auseinandersetzung
mit den Strukturen des Gesteins.
Auf der Suche nach der perfekten Bewegung, dem krassesten Move,
dem weitesten Dynamo und das alles nur knapp über dem Boden,
gehts in meist lässigem Outfit zum Block. Schlaghosen wurden
wieder aus der Kiste geholt. Bewaffnet mit Pof und Zahnbürste,
und natürlich einer Matraze auf dem Rücken, kurz Crash-Pad
genannt, kann man durchaus von einer Kultivierung in historisch
konservativen Gebieten sprechen.
Die Pfalz blieb von dieser, von kreativen Köpfen geschaffenen
Vision, aus einer mit wenig Ringen bestückten psychisch anspruchsvollen
Sandsteinarea ein Bouldergebiet zu entwickeln, natürlich
nicht unberührt und wurde von dieser Invasion heftigst tangiert.
Für den einen, meist den auf moralischen Werten und ethikbasierenden
Traditionalisten, mag diese Veränderung die südpfälzische
Apokalyse bedeuten, wenn aus seiner Sicht ein warmduscherähnliches
Wesen mit so wenig Utensil durch die Wälder schleicht und
den Psychoklassikern wenig Beachtung schenkt. Für den anderen,
der begleitet von der endlosen Glücklichkeit, dopamingespaced
durch die Blocklandschaft schlendert, auf seiner Matte eine Ziggi
qualmt und sich seinem 3-zügler am Block hingibt, ist das
Bouldern die “Crème” im immer mehr konsumorientierten
und kommerzialisierten Bergsportdschungel.
Aber was ist “State of the Art” im Leberknödelland,
haben wir es geschafft, uns den weltweit taktgebenden Gebieten
anzuschliessen, taugt die Pfalz im Vergleich zu Bleau, Tessin,
Rocklands ?
Zu den Facts:
Die Skala, an denen sich der Chronist aufheitern kann, reicht
im Pfälzer Wald bis Fb.8a+, was in Vergleich zu der allgemein
geschätzen UIAA Skala irgendwo im 11.Grad anzusiedeln wäre.
Federführend, man sagts ungern, ist eine neue Generation
junger Jünger, die völlig losgelöst von den Zwängen
dieser Gesellschaft, Boulder um Boulder im Highendbereich zu terminieren
vermag. Da wären der Jungpuller Julius Westphal, dem schon
Boulder bis Fb.8a+/b gelangen und das im zarten Alter von 15,
Pascal Schouwink, eine Krallermaschine der Extraklasse, oder auch
Lutz Limburg, der es zur Zeit vorzieht, an scharfkantigen Kalklöchern
sich seine Fladen zu ziehen.
Waren es in der Pfalz anfangs kurze harte maximalkräftige
Einzelstellen, die es zu bewältigen galt, kamen in letzter
Zeit Ausdauergeräte wie “Bloodsport” Fb. 8a+
trav. am Mühlenberg oder knallharte 3-Zug-Dächer wie
“FSK 18” Fb.8a von Pascal ans Tageslicht. Mittlerweile
fasst das Gebiet mehr als 800 Boulder. Ja und zur Frage, ob´s
taugt im Vergleich zu den Topspots, sage ich nur, gehet hin und
sehet selbst…
Sensibilisiern muss man den Bouldersportler vor allem für
das Sauberhalten der Kultstätten und für die Safer-chalk-Campagne.